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Quantenphilosophischer Lifestyle

An alle, die sich vom Begriff der Quantenphysik oder Relativitätstheorie abschrecken lassen, würde ich bitten, für diesen Beitrag alle qualvollen Mathestunden aus der Schule hinter sich zu lassen und mit einem offenen Mindset an die Sache ranzugehen!

Ich bin mir nicht sicher, inwiefern der Begriff „Quantenphilosophie“ eindeutig definiert wurde, deshalb gehe ich hier einfach mal von meiner eigenen Idee aus und distanziere mich vorsichtshalber von anderen Konzepten, die bereits existieren.

Außerdem ist es wichtig sich im Kopf zu behalten, dass dieses Konzept eine Idee vorstellt, wie man theoretisch mit sehr unkonventionellen Perspektiven auf das eigene Dasein und/oder Leben rangehen könnte, wenn man die Quantentheorie als abstraktes Konzept betrachtet, losgelöst von den Präzessionen der Mathematik oder den physikalischen Grundgesetzen. Nichtsdestotrotz kann man eben aufgrund der besagten Präzessionen diese bereits existierenden wissenschaftlichen Theorien als grobes Konstrukt hernehmen, um sie dann, in einer flexibleren Form, auf angewandte Life-Skills zu projizieren.

1. Definitionen

Quantentheorie

Theorie über die mikrophysikalischen Erscheinungen, die das Auftreten von Quanten in diesem Bereich berücksichtigt[1].
In der Physik wird unter Quant (von lateinisch quantum ‚wie groß‘, ‚wie viel‘) ein Objekt verstanden, das durch einen Zustandswechsel in einem System mit diskreten Werten einer physikalischen Größe erzeugt wird[2].

Relativitätstheorie

(von A. Einstein begründete) Theorie, nach der Raum, Zeit und Masse vom Bewegungszustand eines Beobachters bzw. einer Beobachterin abhängig und deshalb relative (zwei) Größen sind[1].

Beobachter*in

Der Beobachter ist in der Physik derjenige, der ein Phänomen beobachtet. Es kann sich dabei um eine reale Person, um einen geeigneten Messapparat oder – in einem Gedankenexperiment – um eine gedachte Person handeln. Der Beobachter beschreibt das Phänomen in der Regel in seinem Ruhesystem. Ein Wechsel zu einem anderen Beobachter bedeutet daher im Allgemeinen auch den Wechsel zu einem anderen Bezugssystem und damit zu einer anderen Beschreibung desselben Phänomens[3].

Konsensrealität

Die lineare Zeit und Realität, wie wir sie kennen, welche im Konsens der Mehrheit als Wahrheit akzeptiert wird.

2. Maschaesque[4] Quantenphilosophie

Vorerst muss ich nochmal ausdrücklich erwähnen, dass es sich hier nicht um ein mathematisches Modell handelt, auch wenns davon inspiriert ist und soll nicht danach gewertet werden! Das ist lediglich ein Gedankenspiel, das meiner Langeweile entsprang, so wie eigentlich alles auf diesem Blog und leider bin ich keine qualifizierte Mathematikerin oder Physikerin, sondern nur eine Studentin mit zu viel Chaos im Kopf und Spaß an konzeptionellen Modellen.

Also, reduziert auf das, was relevant sein wird für den folgenden Inhalt, würde ich das Konzept des „quantenphilosophischen Lifestyles“ folgendermaßen zusammenfassen:

Ersetze man alltägliche Annahmen oder Vorurteile mit Wahrscheinlichkeiten, wobei jede Wahrscheinlichkeit, wie gering sie auch sein mag, als real akzeptiert wird (Real bedeutet, dass es im Quantenraum eine Wahrscheinlichkeit > 0 besitzt und somit nicht ausgeschlossen werden kann), entsteht im Umgang mit diversen Gegebenheiten des Lebens statt einer linearen „Meinung“, welche die Eigenschaften „richtig“ und „falsch“ trägt, ein Netz der Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Seins und Nicht-Seins.
Existenz wird zu Exystenz!
Man selbst wird simultan zum Beobachter UND Beobachteten, was bedeutet, dass nur das, was der Beobachter beobachtet, materialisiert und somit zu einer Wahrheit der Konsensrealität werden kann. Alles, was nicht beobachtet wurde, bleibt im Quantenzustand. Als gleichzeitig Beobachter und Beobachteter hat man die Kontrolle darüber, welche Materialisierungen stattfinden sollen.

3. Projektion auf das Real Life

Was soll das nun in einem angewandtem Szenario aussehen? Nun, dafür gibt es sehr viele Varianten und die Idee hinter diesem Konzept ist schließlich, dass das Konzept sich durchaus flexibel an alles mögliche anpassen kann, aber um Dinge ein bisschen mehr zu verdeutlichen, versuche ich mal ein Paar generalisierte Gedankenexperimente aufzuzeichnen, wie so eine Umsetzung von „Quantenphilosophischem Lifestyle“ möglicherweise aussehen könnte.

Lebenserfahrung(en), aus denen man lernt

Dass der Mensch anhand seiner Lebenserfahrung lernt ist ja erstmal soweit bekannt. Doch was zählt überhaupt als „Lebenserfahrung“? Nur dass, was man tatsächlich erlebt hat? Zählen auch Träume oder Gedanken?

Nun, ich stelle mal die Hypothese auf, dass es am Individuum liegt, für sich selbst zu definieren, was man seiner Lebenserfahrung anrechnen möchte. Daraus könnte man schließen, dass alles, was sich im Bewusstsein manifestieren kann, sogleich zum Teil der Lebenserfahrung wird. Jedes „Was-Wäre-Wenn“-Szenario, jeder Traum, der im Gedächtnis geblieben ist, jede Idee, die uns durch den Kopf schließt, usw.. Warum sollten diese Dinge denn auch nicht genauso miteinbezogen werden, wenn es ja unser Ziel ist, das Maximum an Lebenserfahrung aus uns rauszuholen? Zu jedem Ereignis, was wir „tatsächlich erlebt“ haben (also das, was sich in der Konsensrealität manifestiert hat), gibt es ein n-faches, wie wir es „nicht tatsächlich erlebt“ (also der Rest, der im Quantenzustand geblieben ist) haben, doch warum sollte uns das aufhalten, daraus nichtsdestotrotz unsere Schlussfolgerungen zu ziehen?

Z.B. Gibt es zu der eigenen Perspektive immer die Perspektive des Gegenübers, die des Zuschauers, die des imaginären Erzählers, etc., diese sind mit etwas Menschenkenntnis oft sehr einfach herauszufinden.

Neue Leute Kennenlernen

Wir alle haben schon mal gehört, dass jeder Mensch seine eigene Geschichte hat, mit komplexen Beziehungen, Gefühlen, Erinnerungen und Zukunftsplänen. Doch trotz dieses Wissens ist es die gängige Art des Menschen, sich seinen ersten Eindruck durch den Vorurteils-Filter zu machen. Basierend auf oberflächlichen Beobachtungen, wie die äußere Erscheinung oder dem Ort, an dem wir die neue Person kennengelernt haben.

Dieser Ansatz ist nicht unbedingt von Grund auf falsch, in bestimmten Settings hat er durchaus seine Berechtigung, z.B. im beruflichen Umfeld, wo das Verallgemeinern oft unumgänglich ist. Im privaten Kontext jedoch schafft diese Denkweise irgendwie oft eine Art Distanz zwischen den Leuten und resultiert immer wieder mal in verletzten Gefühlen und Missverständnissen.

Hier mal ein Beispiel aus meinem Leben: Da ich akzentfrei Deutsch spreche, nehmen fremde Leute immer an, ich sei Muttersprachler und sind jedes Mal aufs Neue überrascht, wenn ich erzähle, dass ich Migrations Hintergrund habe und Deutsch meine zweite Sprache ist. Isoliert betrachtet ist das zwar kein großes Ding und in den meisten Fällen ist das einfach eine lustige Anekdote beim Kennenlernen, jedoch hatte ich durchaus schon des öfteren das „Vergnügen“ gehabt, mir von Vornherein unterstellen zu lassen, ich hätte nicht das Recht, bei Themen wie Migration, Sprachbarriere, Rassismus, Diskriminierung, usw. mitzureden, aufgrund meiner angeblichen „Herkunftsprivilegien“, oder wie auch immer, da diesen Leuten erst gar nicht in den Sinn kam, mich zuerst zu fragen, da sie in ihrer Vorstellung diese Fakten bereits mit Vorurteilen gefüllt hatten. Was ein interessanter Dialog hätte werden können, blieb bei einer unangenehmen Begegnung.

Klar ist es meisten schneller und einfacher, vom angeblich Offensichtlichen auszugehen, wenn man Fremden zum ersten Mal gegenüber steht, doch wenn man stattdessen erstmal alle Wahrscheinlichkeiten in Betracht zieht und alles offen lässt, bis man was Konkretes vom Anderen bestätigt bekommt, hat man am Ende erstens ein viel akkurateres Bild und zweitens einen intimeren Einblick in die Persönlichkeit des Anderen bekommen.


[1]1 2 Definitionen von Oxford Languages
[2] Definition eines Quants
[3]Definition des Beobachters in der Physik
[4]Maschaesque = von Mascha (also von mir)