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Ningen Shikkaku – Dazai Osamu

Ningen Shikkaku (jap. 人間失格, dt. „Nicht Länger Menschlich“), oder der deutschsprachige Titel, „Gezeichnet“, ist ein Roman von Dazai Osamu. Außerdem kam 2009 eine Anime-Adaption im Rahmen der Serie Aoi Bungaku Series (jap. 青い文学シリーズ, dt. „Blaue Buch Reihe“), durch welche ich persönlich diese Geschichte kennengelernt habe und schon damals, obwohl ich noch relativ jung war, spürte ich eine gewisse Resonanz zum Protagonisten Oba Yozo, einem Künstler, der sein gesamtes Leben damit zu kämpfen hat, zu sozialen Bindungen nicht fähig zu sein, das damit verbundene Gefühl der Entfremdung und gleichzeitig das Zerbrechen unter dem gesellschaftlichen Druck.

In diesem Beitrag setze ich mich erstmal mit 4 der Leitmotive des Werkes auseinander. (Es gibt durchaus noch weitere, jedoch gehe ich nur auf diejenigen ein, die mir persönlich am wichtigsten sind!)

Das Werk

Kurze Inhaltszusammenfassung

Hier eine kurze Zusammenfassung für den Kontext, ansonsten kann ich nur empfehlen, den Roman zu lesen oder den Anime zu schauen!

Ein Schriftsteller entschließt sich, drei Notizhefte, die ihm zugespielt worden sind, zu veröffentlichen. Es sind die hinterlassenen Aufzeichnungen eines genialen jungen Mannes, eines Comiczeichners, der schonungslos von seinem verpfuschten Leben berichtet: Frauen, Trunksucht, Drogen, Irrsinn – tatsächlich in vielem das Leben des Autors Osamu Dazai.[1]

Unterteilt ist das Werk in drei Teile, die von jeweils einem Heft mit den Aufzeichnungen des Protagonisten und einem jeweils dazugehörigen Foto repräsentiert werden, sowie Prolog und Epilog, die jeweils aus der Sicht eines dritten Erzählers in Abwesenheiten des Protagonisten erläutert werden.

Klicke hier für die ausführlichere Wikipedia Zusammenfassung der einzelnen Abschnitte.

Interpretation

Wie man unschwer bemerkt, bezieht sich jeder Teil auf einen anderen Lebensabschnitt von Oba: Kindheit, Jugend, wobei es sich eher um die späte Jugend/Studentenalter, handelt und Erwachsenenalter. Ich werde jedes Leitmotiv dementsprechend in die drei Lebensabschnitte unterteilen.

1. Leitmotiv: Umgang mit dem Anders-Sein

Während ihm bereits von Beginn an mehr als bewusst ist, dass er sich in einigen grundlegenden Dingen, welche andere Leute sozusagen als „menschlich“ ausmachen, unterscheidet, kann der Betrachter mitverfolgen, wie sich sein Umgang damit im Verlauf der Jahre wandelt.

Kindheit: Das Anders-Sein als Wekzeug

So sind seine Kinderjahre davon geprägt, die Scham vor sich selber mit Anpassung an sein Umfeld und das Erreichen eines gewissen Status oder Beliebtheit, zu überspielen, womit er dank seines selbst beschriebenen Fehlen von Empathie, welches ihm ein Level an Skrupellosigkeit zur Manipulation seiner Mitmenschen verleiht, sehr schnell lernt, seinen Mangel zu seinem Vorteil nutzen zu können. Intuitiv nimmt er zu keinem einzigen Moment die Stellung ein, dass diese Form der Charakterindividualität irgendwas anderes, als verachtungswürdig sei. Die Anpassung gibt ihm für eine kurze Zeit eine Art der Befriedigung, bis Schuldgefühle und Ekel vor der eigenen Person Oba einholen und daran erinnern, dass seine Performance, nichts weiter, als eine solche ist.

Jugend: Das ANDERS-SEIn als immerwährende last

In Obas Bemühungen, eine akzeptable Identität zu kreieren, findet er scheinbar Anschluss in der studentischen Protestbewegung, wenngleich er in dieser nicht aus Überzeugung und mit einem stets zugrundeliegenden Zynismus agiert.

In ständiger Begleitung von Depression und Erschöpfung, wird deutlich, dass er seiner Fassade leid geworden ist, da diese von Bedeutungslosigkeit geprägt ist. Zum ersten Mal erlaubt ihn seine neue, weibliche Bekanntschaft diese abzulegen, woraufhin die Lebensüberdrüssigkeit, welche sich über die Jahre in Oba angestaut hat, ungefiltert zum Vorschein kommt.

Der Abschnitt findet sein Ende im gescheiterten Doppelsuizid, welchen er als einziger überlebt und dem er zugleich den Ruf als angeblicher Mörder zuzuschreiben hat.

Erwachsenenalter: Das Anders-Sein als ewiges Gefängnis

Ein ständiges Hilfsmittel und treuer Lebensbegleiter Obas stellt sein Alkohol- und Drogenkonsum dar, welchen er zunehmend zur Bewältigung des Alltags hernimmt.

In einem letzten Versuch, einen „echten Menschen“ zu imponieren, wagt er mit einer neuen Persona, einer neuen Partnerin und einem neuen Wohnort einen wahrhaftigen Neuanfang. Bald findet er auch in seinem künstlerischen Talent eine Karrierechance und scheinbar erfüllt sich das menschliche Lebensskript des konservativen Familienlebens, bis die Illusion zerbricht, als ihn seine Vergangenheit einholt und die Affäre seiner Partnerin herauskommt.

Die Geschichte endet mit Obas Resignation vom Leben und vom Sterben, sowie der widerwilligen Akzeptanz der eigenen „Nicht-Menschlichkeit“ und einem grausamen Zustand der Unerträglichkeit der eigenen Existenz in einer Welt.

2. Leitmotiv: Das Selbstporträt

Als Sohn eines renommierten Künstlers verspürt Oba seit der Kindheit eine starke Verbindung zur bildenden Kunst, speziell die Malerei, findet jedoch wenig Zuspruch von seitens seines Vaters. Dieser ist aber alles andere, als überzeugt vom Talent seines Sohnes, da Oba eine geradezu groteske Art hat, sich in Selbstporträts auszudrücken, welche eine monsterähnliche Gestalt zeigen und für Oba die einzige Möglichkeit geben, hin und wieder seinem authentischen Selbst Ausdruck zu verleihen.

Das Selbstporträt wird im Verlauf der Geschichte immer mehr zum Symbol für die verbotene Identität des Protagonisten, die es zu beseitigen gilt. So taucht eine personifizierte Form des besagten Monsters immer in Momenten der Niederlage gegen die gesellschaftlichen Normen auf und interagiert mit Oba, wenn dieser sich in einem Zustand der sozialen Isolation befindet, was gleichzeitig die Abspaltung von seiner selbst-verabscheuenden Identität und den künstlich erschaffenen Personas symbolisiert. Das zeigt sich auch in dem Wandel, den Oba in jedem der drei Abschnitte durchläuft, in seinem Umgang mit dem „Nicht menschlich sein“, der irgendwo mit jedem Abschnitt polarisierter wird.

Kindheit: Selbstreflexion –> Abgrenzung

Das Kreieren des monsterhaften Selbstbildnisses steht metaphorisch für die Erkenntnis des jungen Obas, dass er sich in seiner Wesensart von seinen Mitmenschen unterscheidet, bedingt durch die strikten gesellschaftlichen Normen jedoch intuitiv ablehnt und zu vertuschen versucht. Irgendwann entsteht eine klare Grenze zwischen seinem Inneren (dem Selbstporträt) und seiner Maske (seine menschliche Form, wie sie von anderen wahrgenommen wird).

Jugend: Verdrängung –> Hingabe

Das Monster, vor dem er zu flüchten versucht, manifestiert sich langsam als eine Art Eigenexistenz, mit der Oba möglichst wenig zu tun haben möchte. Nachdem seine Energieressourcen aufgebraucht sind und mit dem Plan des Doppelsuizides eine Aussicht auf Erlösung auftaucht, scheint er sein Dasein als nicht menschliche Gestalt zum ersten und letzten Mal tatsächlich als Teil seiner Selbst ohne Abscheu hinzunehmen.

Erwachsenenalter: Ablehnung –> Resignation

Nach einem vernichtenden Psychiatrieaufenthalt folgt eine psychotische Auseinandersetzung mit dem Monster, welches sich inzwischen durch und durch in Obas Realität manifestiert hat. Symbolisch schickt er die Gestalt weg, als er den Beschluss fasst, einen Neuanfang als „echter Mensch“ zu beginnen und hat, solange die Fassade stabil steht, keine weiteren Begegnungen damit.

Erst, als die Maske zu bröckeln beginnt und die Illusion zerfällt, kehr das Monster zurück und wird von Oba im Zustand der Resignation als einziger Begleiter akzeptiert. Da er einsieht, dass er seinem wahren Selbst nicht länger entkommen kann, wird er nun endlich zu demselben Monster, wovon er sein Leben lang weggelaufen ist.

3. Leitmotiv: Lächeln

Das Lächeln, welches im Laufe der Geschichte langsam schwindet und am Ende aufhört, zu existieren, symbolisiert nicht nur die Menschlichkeit, die Oba bis zuletzt versucht zu erlangen, sondern auch Obas Hoffnung auf eine zwischenmenschliche Verbindung, der Akzeptanz von seiner Umwelt und dem Versuch, seiner Selbst zu entkommen.

Obwohl für Oba, dem der Akt des Lächelns absolut nicht intuitiv ist, kann er diesen trotzdem relativ schnell als zwischenmenschlichen Konsens im Ausdruck der Freude oder Bestätigung identifizieren.

Kindheit: Fake it, ‚till you make it

Wie bereits im ersten Leitmotiv hervorgehoben, benutzt Oba seine Fähigkeit, menschliches Verhalten zu imitieren, als Werkzeug, um sich an seine Umwelt anzupassen. Es wird immer wieder beton, dass es ausgerechnet sein Lächeln ist, das von seinen Mitmenschen am meisten begehrt und gepriesen wird, obwohl für Oba das vermutlich als Kind der künstlichste Aspekt seiner Kommunikation ist.

Jugend: Authentisches Equivalent

Da Lächeln ja gleichzeitig ein Zeichen der gekünstelten Fassade, aber auch der Hoffnung auf ein zwischenmenschliches Verständnis ist, ist dieser Teil quasi ein Übergang von der kindlichen Verachtung von allem, was „menschlich“ ist, zu einem aus der Erschöpfung und wachsenden Lebenserfahrung resultierendem Wunsch nach Akzeptanz, der seinen Höhepunkt in der Nacht des Suizides findet. Obwohl das Lächeln spürbar abgenommen hat im Vergleich zur Kindheit, hat man den Eindruck, dass er in seiner Interaktion mit seiner weiblichen Bekanntschaft und der Art, wie er sich ihr gegenüber verhält, eine authentischere Art für ihn darstellt, jene positiven Emotionen auszudrücken, die ein gewöhnlicher Mensch mit einem Lächeln zeigen würde.

Erwachsenenalter: Verlorene Hoffnung

Nachdem die Familienidylle ihr Ende findet, wird das Verschwinden des Lächelns unumgänglich, da weder das Bedürfnis oder die Notwendigkeit nach einer Maske übrig bleibt, noch die Hoffnung, dem inneren Monster jemals zu entkommen. Zynischerweise scheint es aus Obas Sicht an diesem Punkt in seinem Leben entweder Authentizität, ODER Akzeptanz und Hoffnung zu geben, jedoch niemals beides zur selben Zeit und so ist er gezwungen sich der grausamen Einsamkeit der authentischen Hölle hinzugeben, in der sein inneres Monster im Einklang in einer Welt ohne Lächeln fortbestehen kann.

4. Leitmotiv: Zwischenmenschliche Beziehungen

Oba ist von klein auf geprägt von seinem Defizit an sozialer Intuition und durchläuft unterschiedliche Phasen im vergeblichen Versuch, dieses Defizit entweder auszugleichen oder es zu seinem Vorteil zu nutzen. Auch die Arten der zwischenmenschlichen Beziehungen, die er im Verlauf seiner Lebens anstrebt, erleben mehrere Formen des Wandels und enden nichtsdestotrotz in einer unumgänglichen Einsamkeit.

Je tiefer er sich auf einen anderen Menschen einlässt, desto tiefer fällt er, wenn diese Beziehung auseinander bricht. Interessanterweise scheint er jedoch weder familiären, noch freundschaftlichen Beziehungen großen Wert zuzuschreiben und lediglich im romantisch-sexuellen Kontext nach tieferer, sozialer Bindung zu suchen, wie man beispielsweise an der Beziehung mit seinem Vater gut erkennen kann. Jedoch kann man nicht ausschließen, dass dies keine angeborene Tendenz, sondern viel mehr ein Resultat seiner autoritären, unpersönlichen Erziehung sein könnte.

Im Kontrast zur sozialen Interaktion steht seine Beziehung mit dem inneren Monster, wie im Leitmotiv vom Selbstporträt erläutert, und somit der immer wiederkehrende Rückfall in die Isolation.

Kindheit: Sex

Wenngleich der sexuelle Unterton in Obas jungem Alter zu dem Zeitpunkt in der Geschichte fragwürdig erscheint, ist diese Art der zwischenmenschlichen Beziehung eine sehr oberflächliche. Sie ist der Ausdruck seines kindlichen Verständnisses dafür, wie man auf die für ihn offensichtlichste Art und Weise eine Form der Akzeptanz findet. Dank seiner hohen Intelligenz findet er schnell heraus, welche Persona in der Frauenwelt am besten ankommt und ist in der Lage, dies in einer nahezu perfekten Ausführung umzusetzen.

Jugend: Partnerschaft

Mit seiner Suizid-Partnerin erfährt Oba zum ersten Mal richtige Intimität, welche über Sex hinausgeht, da sie mit ihrer eigenen, tragischen Lebensgeschichte Oba einen Eindruck dafür gibt, wie es sich anfühlt, verstanden zu werden. Ihre kurze Beziehung ist vermutlich das, was einer intimen Partnerschaft am nächsten kommt. Das Besiegeln dieser Partnerschaft im gemeinsamen Tod wirkt in dem Kontext fast schon romantisch, umso größer ist die Enttäuschung, als er alleine lebend aus der Sache herausgeht, erneut in Gefangenschaft mit sich selbst und seinem neu erlangten Ruf als Mörder, der angeblich die Frau in den Tod geschubst haben soll, der ein neues Level an sozialer Ausgrenzung von seinem Umfeld mit sich zieht.

Erwachsenenalter: Familie

Mit seiner neuen Partnerin spielt Oba Familienidylle und scheint für sich selbst eine Normalität aufzubauen, welche ihm ermöglicht, zu einem gewissen Grad einige Teile seiner Individualität, wie das Zeichnen und die Kunst, auszuleben. Seine Partnerin gibt ihm Sicherheit, wenn diese Beziehung auch eher funktional, als emotional erscheint und auch mit dem Bild des jungen Stiefvaters, das er kreiert, wirkt es so, als könne er seinen Ruf als Frauenmörder doch ablegen.

Da ihm für menschlicher Kontakt nach wie vor nicht intuitiv ist, kann er diese Fassade nur mithilfe des Rauschmittelkonsums realisieren, was zu wiederholten Konflikten mit seiner Partnerin führt.

Die Illusion platzt schnell, als er erfährt, dass er seinen beruflichen Erfolg nicht etwa seinem Talent zu verdanken hat, sondern der sexuellen Affäre seiner Partnerin mit dem Verleger, für den er arbeitet. Endgültig bricht seine Welt zusammen, als dieser seine Frau in Obas eigener Wohnung vergewaltigt und ihn nicht nur quasi emaskuliert, sondern ihn in seinem kompletten Selbstbild, das er so mühsam aufgebaut hat, wortwörtlich ent-täuscht, was Oba den finalen Anlass zur endgültigen Resignation gibt.

Fazit

Nehme man die Zeit und den Ort des Geschehens aus der Gleichung raus, so bleibt eine immerwährende Geschichte eines unverstandenen Menschen übrig, der im Kampf zwischen dem Individualismus und dem Kollektivismus an seinem Selbsthass zerbricht. Auch in unserer modernen Gesellschaft herrscht der Druck, sich lediglich in einem begrenzten Rahmen als Individuum verwirklichen zu dürfen, was zur Ausgrenzung jener führt, die nicht in eine Box passen. Die Grenze zwischen exzentrisch und inakzeptabel scheint oft schleichend zu sein und diese nicht zu überschreiten ist häufig für die Betroffenen mit enormer Anstrengung verbunden, was im besten Fall verhindert, dass Potenzial ausgeschöpft und Talent ausgelebt wird und im schlimmsten Fall zum Verlust des Selbst, schwerwiegenden, psychischen Problemen oder gar Suizid führt. Es liegt an uns, als Gesellschaft, das Stigma des Anders-Seins abzubauen und Menschen mit Toleranz und Respekt zu begegnen, unabhängig davon, wie gesellschaftskonform sie auftreten mögen. Denn ohne diejenigen, die durch ihre Einzigartigkeit Ideen in die Welt setzen, wäre Fortschritt kaum vorstellbar. Schlussendlich ist es doch eigentlich die Vielfältigkeit in Perspektiven und Persönlichkeiten, die die Menschheit als solche erst ausmacht und ihr ihre Schönheit verleiht.


[1] Zusammenfassung von Thalia

Cogito/Credo/Scio ergo sum.

Gibt es einen höheren Sinn im Leben? Wie funktioniert die Welt? Warum haben wir ein Bewusstsein und gibt es einen freien Willen? (Hallo Ethikbuch aus der 5ten Klasse!)

Diese und ähnliche Fragen ziehen sich durch die Menschengeschichte durch, wie ein roter Faden und prägen jede Kultur, sowie Religion, bilden die Grundlage für die Konzepte der großen Philosophen, bereiten uns schlaflose Nächte oder füllen das eine oder andere „tiefsinnige“ Kiffergespräch. Wie man es auch betrachten möchte, haben alle Ansätze die Gemeinsamkeit, dass sie von der Überzeugung derer Anhänger leben.

Cogito ergo sum – Ich denke, also bin ich.

Wer hat ihn noch nicht gehört, den bekannten ersten Grundsatz von René Descartes, der die Grundlage für viele philosophische Ansätze bildet. Der ewige Konflikt aller Existenzkrisen und die scheinbar einzige Gewissheit, die uns irgendwo im großen und weiten Meer der existenziellen Unstimmigkeiten bleibt.Ich gehe mal kurz in der Zeit zurück und erinnere mich daran, wie meine aller erste Existenzkrise als Kind, das Fenster des Zweifelns für mich eröffnete. Es war die Nacht vor meinem Geburtstag und diese war stets, so wie für die meisten Kinder, eine schlaflose. Gefüllt von Aufregung und Vorfreude ließ ich meinen Gedanken freien Lauf, denn an Schlaf war schließlich eh nicht zu denken, was mich irgendwann auf die Fragestellung stoßen ließ, was es wohl zu bedeuten hatte, dass ich jedes Jahr älter wurde, aus der sich kurz darauf die Realisation formte, dass ich das abstrakte Konzept von Zeit eigentlich überhaupt nicht richtig greifen konnte. Zu dem damaligen Zeitpunkt war das Konzept der Vergänglichkeit des Lebens noch nicht etwas gewesen, was für mein kindliches Selbst irgendeine Relevanz haben sollte. Vermutlich war es die Mischung aus meinen sprudelnden Emotionen und meinem sich langsam manifestierenden Verständnis für gewisse Zusammenhänge in der Welt, welche der Katalysator dafür war, dass mein erster Mindblow wie eine Atombombe in meinem Kopf einschlug und mir zum ersten Mal in meinem Leben eine Geschmacksprobe dafür gab, wie klein ich, im Vergleich zum großen Universum, bin.

Kurze Randnotiz: Ich sollte hinzufügen, dass ich ein extrem visueller Denker bin. Ich bin mir nicht sicher, ob das so ein Neurodiversitäts-Ding ist, oder einfach etwas Ich-Spezifisches, ist ja auch unwichtig. Jedenfalls, während die meisten Leute, mit denen ich darüber geredet habe, sozusagen in Sprache/Wörtern/Sätzen denken, habe ich (bewegte) Bilder vor meinem inneren Auge, welche ich, falls die Notwendigkeit auftritt, meine Gedanken in irgendeiner Form zu kommunizieren oder nach außen zu tragen, in Sprache übersetze, jedoch nicht, wenn ich für mich selbst denke oder Konzepte gedanklich ausarbeite. Diese Information ist wichtig, um zu erklären, was in mir vorging, als ich meinen ersten Mindblow erlebt hatte.

Zurück zu meiner Geschichte… Während ich versuchte, Zeit als Solche für mich greifbar zu machen, passierten zwei Dinge:
A) auf jede Antwort, die ich mir selbst gab, kamen zig neue Fragen ohne Antwort obendrauf und auf jede einzelne davon kamen zig Folgefragen. Ich spürte förmlich, wie sich das Zelt der Ungewissheit in über meine innere Welt legte und in exponentieller Geschwindigkeit expandierte, während sich messerscharf herauskristallisierte, wie mein bewusstes Sein sich gleichzeitig wie alles und nichts anfühlte. Alles, im Sinne von, meine einzige Gewissheit, Sicherheit, Ankerpunkt und Fundament meiner Persönlichkeit. Nichts, im Sinne von, unbedeutend im großen Bild, nur ein Fragment, welches in Abhängigkeit zur linearen Zeit und zu äußeren Umständen existiert und von Weitem betrachtet bedeutungslos erscheint.
B) das Bild in meinem Kopf zu der Frage, was Zeit ist und wie sie funktioniert, nahm immer komplexere Formen an und verwandelte sich in eine vernetzte Struktur von Ideen, Fragen, Annahmen und möglichen Antworten kombiniert mit meiner persönlichen Wahrnehmung und dem, was ich zu dem Zeitpunkt bereits darüber gelernt hatte. Ich denke, es hat in etwa 10 Jahre gedauert, bis ich in der Lage war, dieses Bild so in Sprache zu übersetzen, dass ich anderen halbwegs verständlich erklären konnte, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Ich wäre nicht überrascht, wenn dieses Ereignis seinen Teil dazu beigetragen hat, dass diese ganze Zeit-Thematik, oder allgemein Science-Fiction, zu einem großen Interessengebiet von mir wurde und immer noch ist.

Credo ergo sum – Ich glaube, also bin ich.

Was der sich Atheist mit Wissenschaft, der Esoteriker mit Energien, der Christ mit Gott, usw. erklärt, stößt im Dialog früher oder später auf die Grenze zwischen dem Wissen und dem Glauben. Unabhängig vom Grad des eigenen Skeptizismus, bildet die Fähigkeit, bestimmte Dinge, ohne einen eindeutigen Beweis, für sich selbst als „wahr“ zu definieren, das Fundament eines jeden Weltbilds und kann sich individuell mal mehr, mal weniger, unterscheiden.

Auch ich durchlebte im Laufe meiner Existenz auf dieser Welt so einige Perspektivenwandel und würde das Formen meines eigenen Weltbilds als lebenslangen Prozess des Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung bezeichnen. Obwohl ich meine Grundschulzeit auf einer sehr religiösen Schule verbracht hatte, konnte ich mit dem Konzept des Glaubens noch nie viel anfangen, was mich relativ früh zum Agnostizismus, dann Atheismus und später zu einer Form von Nihilismus geführt hatte, was jedoch keineswegs bedeuten soll, dass ich den Glauben als nicht wertvoll oder gar dumm bezeichnen würde, denn auch im Streit nach der Wahrheit, ist nicht zu leugnen, welch enorme positive Auswirkungen der Glaube auf Menschen haben kann. Mein innerer Glaubenskonflikt ist viel mehr davon geprägt gewesen, Gegebenheiten ausschließlich nach ihrer Logik bewerten zu wollen und dementsprechend Aussagen, welche mit subjektiven Meinungen begründet sind, auch bei besten Willen nicht als valide betrachten zu können.

Bis vor ca. einem Jahr war Spiritualität, obwohl ich ihr gegenüber auch nicht unbedingt abgeneigt war, nie Teil meines Lebens gewesen. Der Perspektivenwandel begann, als ich meine Sicht auf den Glauben als Bedingung für Spiritualität über Bord geworfen habe, zumindest für mein persönliches Weltbild. Anders gesagt, habe ich für mich selbst entschieden, dass an etwas zu Glauben keine Voraussetzung dafür sein muss, bestimmte Dinge zu praktizieren, solange sie mir oder anderen keinen Schaden zufügen, oder in bestimmte Richtungen zu denken, im Bewusstsein, dass Meinungen nicht endgültig sein müssen, denn einem Gedankengang nachzugehen und diesen dann wieder zu verwerfen bringt definitiv mehr Lernpotenzial mit sich, als sich stur auf eine feste Meinung festzuklammern und in seiner Entwicklung zu stagnieren. Der Zugang zu meiner persönlichen Spiritualität kam dann ganz automatisch, auch wenn ich ihn nicht unbedingt irgendeinem bestehenden Konzept zuschreiben würde. So nach dem Prinzip:

Ich kann nicht sagen, was es gibt, nur, dass es was gibt. Der Rest entspringt meiner individuellen Weltwahrnehmung, sowie Bildsprache und dient in erster Linie dazu, mir selbst die Welt erklären zu wollen.

– Mein aktueller Standpunkt zur Spiritualität –

In diesem Prozess fand ich auch meine Begeisterung für das Erstellen von Modellen und Konzepten wieder, was mich zur Philosophie führt. Zugegebenermaßen hatte mir der Ethikunterricht in der Schule damals für sehr lange Zeit den Geschmack an Philosophie als Ganzes verdorben, wie das halt so ist mit unserem guten alten Schulsystem. (Aber das ist vermutlich ein Thema für ein anderes Mal.) Auf jeden Fall realisierte ich plötzlich, dass im Grunde gesehen, von der alten Schule bis hin zu zeitgenössischen Ideen, „Die Existenz des Menschen“, „Die Dynamik und Funktion der Gesellschaft“ und „Die Frage nach dem Sinn und Ursprung“, wenn man es kurz zusammenfassen möchte, die drei Grundsteine der Philosophie darstellen und das, was irgendwann in Lehrbüchern endet, nicht mehr ist, als unterschiedliche Versuche, das Sein in seiner Essenz erklären und/oder beschreiben zu wollen. Metaphern und Verbildlichungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Müssen diese Konzepte immer der Wahrheit entsprechen? Gewiss nicht, denn wie bereits festgestellt, sind wir als menschliche Wesen (noch) nicht in der Position, diesbezüglich eine klare Aussage zu treffen. Trotzdem ist es genau diese Vielfalt an individuellen Ideen, welche uns als Menschen an uns selbst wachsen lässt und damit die gesamte Disziplin der Philosophie interessant macht.

Scio ergo sum – Ich weiß, also bin ich.

Man kann natürlich nur rätseln, wie viel von dem, was uns die alten Philosophen hinterlassen haben, tatsächlich ihrer vollen Überzeugung entsprach und was einfach nur die Ausarbeitung von Konzepten und Ideen war, denn man sollte auch immer im Kopf behalten, dass jeder Mensch in seiner Lebenszeit geprägt von seiner zeitgenössischen Gesellschaft ist, sei es nun der generelle Wissensstand der Menschheit oder der kirchliche Einfluss in der Gesellschaft.

Vor allem aber sollte man nicht vergessen, dass auch Sprache immer im Kontext ihrer Zeit interpretiert werden sollte, wie beispielsweise bestimmte Wörter einen Wandel in ihrer Bedeutung erleben und man manchmal einfach beachten sollte, dass das, was wir heute unter Wort XY verstehen, nicht zwangsläufig das Selbe ist, was XY vor 100 Jahren bedeutet hat. Manchmal sind es lediglich Nuancen, doch in anderen Fällen ändert sich die gesamte Aussage, aber das nur so nebenher gesagt.

„Wissen“, wenn man es genau nimmt, kann in meinem Verständnis folgendes bedeuten: Entweder alles, was darauf basiert, was im allgemeinen Konsens der Menschheit als objektive Wahrheit akzeptiert wird (z.B. „Ich weiß, dass der Himmel blau ist!“), oder alles, was aus der individuellen Perspektive des Einzelnen so wahrgenommen wurde und somit eine subjektive Wahrheit darstellt (z.B. „Ich weiß, dass ich Honigmelone eklig finde!“). Das einzige absolute Wissen wäre dann wohl, dass es dem Menschen (noch?) nicht möglich ist, etwas absolut zu wissen („Ich weiß, dass ich nichts weiß.“).

Es lässt sich also nicht vermeiden, dass jedes philosophische Erklärungsmodell, ganz gleich, wann oder von wem dieses aufgestellt wurde, zwangsläufig von dem Einfluss seiner Zeit geprägt ist. Soll das also bedeuten, dass ein Modell aus einer vergangenen Ära irgendwann zur Märchenstunde ohne Realitätsbezug wird? Nun ja, das kommt wohl darauf an, wie man es betrachten möchte. Offensichtlich werden bestimmte Dinge früher oder später einfach nicht mehr aktuell sein und werden dementsprechend auch keine Anwendung mehr für das moderne Leben finden. Zumindest, wenn man sie zu wörtlich nimmt. Wie heißt es so schön in „V for Vendetta“:

Man sagt uns wir sollen der Idee gedenken und nicht des Mannes. Denn ein Mensch kann versagen. Er kann gefangen werden. Er kann getötet und vergessen werden. Aber 400 Jahre später kann eine Idee immer noch die Welt verändern.

V aus V for Vendetta

Sei es der Schöpfungsmythos aus dem alten Testament oder die Ideenlehre von Platon, sind es letztendlich nicht alles Geschichten und Überlieferungen von Ideen, für Menschen, von Menschen, welche im Strom ihrer Zeit das Sein aus den unterschiedlichsten Perspektiven zu beschreiben versuchen? Und ist nicht der alleinige Wandel des Konsens‘ über das objektive Wissen im Laufe der Menschengeschichte irgendwie ein Statement für sich, welches immer in seiner Zeitlosigkeit bestehen bleiben wird?

Sum ergo sum – Ich bin, also bin ich?

Irgendwo in diesen ganzen Gedankengängen verschwimmt scheinbar die Grenze zwischen objektiv und subjektiv, zwischen Wahrheit und Wahrnehmung, zwischen Glauben und Wissen, oder wie auch immer. Im Sinne des Rechts eines jeden Menschen auf die freie Entfaltung der religiösen, spirituellen und intellektuellen Identität, ergibt die Quantität der einzelnen Weltbildfragmente vielleicht irgendwann mal ein ganzes Bild, mit dem wir was anfangen können und wenn wir schon bei Quantität sind, macht es für die Gesamtheit eines Quantenzustands doch eh keinen Unterschied, wie wahrscheinlich Konzept XY eines einzelnen Betrachters ist, von daher ist das, was wichtig ist, das Sein an sich und den Rest bringt das Leben.

Quantenphilosophischer Lifestyle

An alle, die sich vom Begriff der Quantenphysik oder Relativitätstheorie abschrecken lassen, würde ich bitten, für diesen Beitrag alle qualvollen Mathestunden aus der Schule hinter sich zu lassen und mit einem offenen Mindset an die Sache ranzugehen!

Ich bin mir nicht sicher, inwiefern der Begriff „Quantenphilosophie“ eindeutig definiert wurde, deshalb gehe ich hier einfach mal von meiner eigenen Idee aus und distanziere mich vorsichtshalber von anderen Konzepten, die bereits existieren.

Außerdem ist es wichtig sich im Kopf zu behalten, dass dieses Konzept eine Idee vorstellt, wie man theoretisch mit sehr unkonventionellen Perspektiven auf das eigene Dasein und/oder Leben rangehen könnte, wenn man die Quantentheorie als abstraktes Konzept betrachtet, losgelöst von den Präzessionen der Mathematik oder den physikalischen Grundgesetzen. Nichtsdestotrotz kann man eben aufgrund der besagten Präzessionen diese bereits existierenden wissenschaftlichen Theorien als grobes Konstrukt hernehmen, um sie dann, in einer flexibleren Form, auf angewandte Life-Skills zu projizieren.

1. Definitionen

Quantentheorie

Theorie über die mikrophysikalischen Erscheinungen, die das Auftreten von Quanten in diesem Bereich berücksichtigt[1].
In der Physik wird unter Quant (von lateinisch quantum ‚wie groß‘, ‚wie viel‘) ein Objekt verstanden, das durch einen Zustandswechsel in einem System mit diskreten Werten einer physikalischen Größe erzeugt wird[2].

Relativitätstheorie

(von A. Einstein begründete) Theorie, nach der Raum, Zeit und Masse vom Bewegungszustand eines Beobachters bzw. einer Beobachterin abhängig und deshalb relative (zwei) Größen sind[1].

Beobachter*in

Der Beobachter ist in der Physik derjenige, der ein Phänomen beobachtet. Es kann sich dabei um eine reale Person, um einen geeigneten Messapparat oder – in einem Gedankenexperiment – um eine gedachte Person handeln. Der Beobachter beschreibt das Phänomen in der Regel in seinem Ruhesystem. Ein Wechsel zu einem anderen Beobachter bedeutet daher im Allgemeinen auch den Wechsel zu einem anderen Bezugssystem und damit zu einer anderen Beschreibung desselben Phänomens[3].

Konsensrealität

Die lineare Zeit und Realität, wie wir sie kennen, welche im Konsens der Mehrheit als Wahrheit akzeptiert wird.

2. Maschaesque[4] Quantenphilosophie

Vorerst muss ich nochmal ausdrücklich erwähnen, dass es sich hier nicht um ein mathematisches Modell handelt, auch wenns davon inspiriert ist und soll nicht danach gewertet werden! Das ist lediglich ein Gedankenspiel, das meiner Langeweile entsprang, so wie eigentlich alles auf diesem Blog und leider bin ich keine qualifizierte Mathematikerin oder Physikerin, sondern nur eine Studentin mit zu viel Chaos im Kopf und Spaß an konzeptionellen Modellen.

Also, reduziert auf das, was relevant sein wird für den folgenden Inhalt, würde ich das Konzept des „quantenphilosophischen Lifestyles“ folgendermaßen zusammenfassen:

Ersetze man alltägliche Annahmen oder Vorurteile mit Wahrscheinlichkeiten, wobei jede Wahrscheinlichkeit, wie gering sie auch sein mag, als real akzeptiert wird (Real bedeutet, dass es im Quantenraum eine Wahrscheinlichkeit > 0 besitzt und somit nicht ausgeschlossen werden kann), entsteht im Umgang mit diversen Gegebenheiten des Lebens statt einer linearen „Meinung“, welche die Eigenschaften „richtig“ und „falsch“ trägt, ein Netz der Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Seins und Nicht-Seins.
Existenz wird zu Exystenz!
Man selbst wird simultan zum Beobachter UND Beobachteten, was bedeutet, dass nur das, was der Beobachter beobachtet, materialisiert und somit zu einer Wahrheit der Konsensrealität werden kann. Alles, was nicht beobachtet wurde, bleibt im Quantenzustand. Als gleichzeitig Beobachter und Beobachteter hat man die Kontrolle darüber, welche Materialisierungen stattfinden sollen.

3. Projektion auf das Real Life

Was soll das nun in einem angewandtem Szenario aussehen? Nun, dafür gibt es sehr viele Varianten und die Idee hinter diesem Konzept ist schließlich, dass das Konzept sich durchaus flexibel an alles mögliche anpassen kann, aber um Dinge ein bisschen mehr zu verdeutlichen, versuche ich mal ein Paar generalisierte Gedankenexperimente aufzuzeichnen, wie so eine Umsetzung von „Quantenphilosophischem Lifestyle“ möglicherweise aussehen könnte.

Lebenserfahrung(en), aus denen man lernt

Dass der Mensch anhand seiner Lebenserfahrung lernt ist ja erstmal soweit bekannt. Doch was zählt überhaupt als „Lebenserfahrung“? Nur dass, was man tatsächlich erlebt hat? Zählen auch Träume oder Gedanken?

Nun, ich stelle mal die Hypothese auf, dass es am Individuum liegt, für sich selbst zu definieren, was man seiner Lebenserfahrung anrechnen möchte. Daraus könnte man schließen, dass alles, was sich im Bewusstsein manifestieren kann, sogleich zum Teil der Lebenserfahrung wird. Jedes „Was-Wäre-Wenn“-Szenario, jeder Traum, der im Gedächtnis geblieben ist, jede Idee, die uns durch den Kopf schließt, usw.. Warum sollten diese Dinge denn auch nicht genauso miteinbezogen werden, wenn es ja unser Ziel ist, das Maximum an Lebenserfahrung aus uns rauszuholen? Zu jedem Ereignis, was wir „tatsächlich erlebt“ haben (also das, was sich in der Konsensrealität manifestiert hat), gibt es ein n-faches, wie wir es „nicht tatsächlich erlebt“ (also der Rest, der im Quantenzustand geblieben ist) haben, doch warum sollte uns das aufhalten, daraus nichtsdestotrotz unsere Schlussfolgerungen zu ziehen?

Z.B. Gibt es zu der eigenen Perspektive immer die Perspektive des Gegenübers, die des Zuschauers, die des imaginären Erzählers, etc., diese sind mit etwas Menschenkenntnis oft sehr einfach herauszufinden.

Neue Leute Kennenlernen

Wir alle haben schon mal gehört, dass jeder Mensch seine eigene Geschichte hat, mit komplexen Beziehungen, Gefühlen, Erinnerungen und Zukunftsplänen. Doch trotz dieses Wissens ist es die gängige Art des Menschen, sich seinen ersten Eindruck durch den Vorurteils-Filter zu machen. Basierend auf oberflächlichen Beobachtungen, wie die äußere Erscheinung oder dem Ort, an dem wir die neue Person kennengelernt haben.

Dieser Ansatz ist nicht unbedingt von Grund auf falsch, in bestimmten Settings hat er durchaus seine Berechtigung, z.B. im beruflichen Umfeld, wo das Verallgemeinern oft unumgänglich ist. Im privaten Kontext jedoch schafft diese Denkweise irgendwie oft eine Art Distanz zwischen den Leuten und resultiert immer wieder mal in verletzten Gefühlen und Missverständnissen.

Hier mal ein Beispiel aus meinem Leben: Da ich akzentfrei Deutsch spreche, nehmen fremde Leute immer an, ich sei Muttersprachler und sind jedes Mal aufs Neue überrascht, wenn ich erzähle, dass ich Migrations Hintergrund habe und Deutsch meine zweite Sprache ist. Isoliert betrachtet ist das zwar kein großes Ding und in den meisten Fällen ist das einfach eine lustige Anekdote beim Kennenlernen, jedoch hatte ich durchaus schon des öfteren das „Vergnügen“ gehabt, mir von Vornherein unterstellen zu lassen, ich hätte nicht das Recht, bei Themen wie Migration, Sprachbarriere, Rassismus, Diskriminierung, usw. mitzureden, aufgrund meiner angeblichen „Herkunftsprivilegien“, oder wie auch immer, da diesen Leuten erst gar nicht in den Sinn kam, mich zuerst zu fragen, da sie in ihrer Vorstellung diese Fakten bereits mit Vorurteilen gefüllt hatten. Was ein interessanter Dialog hätte werden können, blieb bei einer unangenehmen Begegnung.

Klar ist es meisten schneller und einfacher, vom angeblich Offensichtlichen auszugehen, wenn man Fremden zum ersten Mal gegenüber steht, doch wenn man stattdessen erstmal alle Wahrscheinlichkeiten in Betracht zieht und alles offen lässt, bis man was Konkretes vom Anderen bestätigt bekommt, hat man am Ende erstens ein viel akkurateres Bild und zweitens einen intimeren Einblick in die Persönlichkeit des Anderen bekommen.


[1]1 2 Definitionen von Oxford Languages
[2] Definition eines Quants
[3]Definition des Beobachters in der Physik
[4]Maschaesque = von Mascha (also von mir)

Man Selbst, die Umwelt und die Anderen

Esum Modell

Ich habe dank der Inspiration vom Buch/Film „Das Parfüm“ darüber nachgedacht, was eine gute Lebensdynamik ausmacht und wie man eine solche für sich umsetzen könnte. Natürlich ist das nur mein persönlicher Ansatz und sollte auch als solcher verstanden werden. Es ist keine Lebensanleitung, obwohl sowas manchmal durchaus sehr nützlich sein könnte, sondern eher eine von vielen Arten, wie ich mich eventuell selbst in die Ordnung des Universums einordnen könnte.

1. Definition einer guten Dynamik

Eine Dynamik ist ja erstmal etwas, das in Bewegung ist, also Energiefluss. Eine gute Dynamik ist also ein Zustand, in dem die Energie stets in Bewegung bleiben kann, ohne zu stauen. Dabei ist entscheidend, dass sich der Fluss nicht im Kreis bewegt, sondern in einer Schleife.

Energie die im Kreis fließt, ist nicht für den Austausch geeignet, den wir ja im Optimalfall ansteuern wollen. Eine Schleife hingegen ist ein Energiefluss, der in alle Richtungen gelangen kann und somit dynamisch ist!

Diesen Energiefluss bezeichne ich ab hier als Energieschleife (E).

Kreis vs Schleife

2. Die drei Ausgangspositionen

Energiefluss Modell

Ich habe für mich selbst folgende drei Pole gewählt, die ich miteinander in Relation setzen möchte.

  • Die Beziehung zu sich selbst; Wie man denkt, fühlt, wahrnimmt, wie gut man mit sich selbst klar kommt, wie man sich selbst verwirklicht, etc.
  • Die Beziehung zur Umwelt; Die grundlegende Lebenslage, in der man sich befindet, wo man lebt, was man den ganzen Tag macht, materielle Sicherheit, etc.
  • Die Beziehung zu anderen Menschen; Freundschaften, Partnerschaften, Familie, Kollegen, Nachbarn, Menschen, die einen regelmäßig umgeben, direkt oder indirekt, Menschen, zu denen man immer wieder Kontakt hat, allgemein Gesellschaft um einen herum.

3. Die Zusammenhänge

Die Idee dahinter ist, dass es im Leben darum geht, in diesen drei Punkten eine gesunde Balance zu finden, da ansonsten die Möglichkeit besteht, in einen der Punkte zu viel Energie zu stecken, was dann zum Burnout führt.

Es = Energieschleife in einem selbst
Eu = Energieschleife der Umwelt
Em = Energieschleife in anderen Menschen
Esu = Energieschleife zwischen einem selbst und der Umwelt
Esm = Energieschleife zwischen einem selbst und anderen Menschen
Eus = Energieschleife zwischen der Umwelt und einem selbst
Eum = Energieschleife zwischen der Umwelt und anderen Menschen
Ems = Energieschleife zwischen anderen Menschen und einem selbst
Emu = Energieschleife zwischen anderen Menschen und der Umwelt

Man Selbst (s)Die Umwelt (u)Andere menschen (m)
SEs entsteht im Prozess, indem man den eigenen Flow im Kopf sicherstellt, was man durch Selbstreflexion in Angriff nimmtEsu ist die Art, wie man auf seine Umwelt eingeht, wie viel man davon wahrnimmt und wie sehr man damit räsoniert Esm ist die Attitüde, die man im Umgang mit anderen Leuten an den Tag legt und mit welcher Einstellung man an andere Leute zugeht
UEus sind die Umwelteinflüsse, die man nicht kontrollieren kann und wie man damit umgehtEu ist das Kreieren einer sicheren Umgebung, in der man sich ohne so stressfrei wie, möglich frei entfalten kannEum ist das Beobachten, wie die Umwelteinflüsse auf andere Menschen wirken und wie positiv/negativ der Vibe zwischen der Umwelt und den Menschen ist
MEms ist die Art, wie die Leute auf einen selbst zugehen und wie andere auf einen reagieren Emu ist die gängige Verhaltensweise der Menschen um einen herum und wie sie mit der gegebenen Umwelt umgehenEm ist ein stabiles, soziales Netz, welches sich erfüllend im zwischenmenschlichen Austausch anfühlt und frei von toxischen Beziehungen ist
Die Bedeutung der einzelnen Beziehungen untereinander

4. Fazit

Wenn alle diese Punkte in sich den perfekten Flow haben, sollte theoretisch auch das allgemeine Lebensgefühl richtig geil sein, jedoch wäre das natürlich nur eine Utopie, die höchstens auf dem Papier existieren kann.
Trotzdem macht es Sinn im Laufe seines Lebens immer wieder hier und da an den einzelnen Baustellen zu arbeiten, um sich Stück für Stück and diese „Utopie“ anzutasten und vielleicht Seiten des Lebens kennenlernen, die einem davor vorenthalten waren. Denn es geht schließlich darum, niemals damit aufzuhören, an sich selbst zu wachsen und bis zum Schluss nicht stagniert zu haben. So wäre immer ein Energiefluss da!