Post-gymnasiales Belastungssyndrom – Eine Reflexion persönlicher Erfahrungen

Essay vom Oktober 2020

Angewandte Sozialisierung und soziopolitischer Einfluss auf Bildungsprozesse im bayrischen Abitur

Das Leben ist wert, erkannt zu werden, sagt die Wissenschaft.

F. Nietzsche

Das Leben ist wert, antithetisch erörtert, in Primzahlen zerlegt, ins Lateinische übersetzt und mit einem blauem Marker unterstrichen zu werden, ergänzt das „Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen“. Bloß nicht mit Rot, liebe Kinder, denn Rot ist die unantastbare Farbe eurer geistigen Vorbilder!

Die jugendliche „Bildungselite“, so wurde es uns jahrelang gepredigt, strebe scheinbar, damals, wie heute, wenn nicht bereits zu Zeiten der Industrialisierung, nach dem strahlenden Licht der hohen Anerkennung innerhalb eines Systems, was den Gleichsten der Gleichen, der der Beste darin sein soll, gleich zu sein, bejubelt und auf ein Podest stellt. 

Max Mustermann wäre zu Tränen gerührt, könnte er bloß mitansehen, wie seine Abkömmlinge die Praktiken der Fließbandarbeit mit Fleisch und Blut absorbiert haben, während der Schleier des Elitarismus, sämtliche Grautöne in prachtvollen Abstufungen erstrahlen lässt. 

„Mit dem Antritt der Schulpflicht“, hatte mein Bruder vor mehr als 10 Jahren im Rahmen einer Strafarbeit verfasst, „treten auch die Menschenrechte außer Kraft“

Diese unvergessliche Einleitung blieb bis zum heutigen Tage klar und deutlich in meinem Gehirn eingebrannt, denn als legendäre Anekdote über die Mittelstufe, löste sie durchaus den einen, oder anderen intrinsischen Entwicklungsprozess aus, was mich dabei unterstützte, meine Schulzeit als Ganzes klar zu reflektieren, sowie diverse Zusammenhänge und Probleme in der Mentalität, mit welcher der sogenannte Bildungsauftrag umgesetzt wurde, als solche zu erkennen.

Auch wenn es dabei höchstwahrscheinlich nie eine andere Intention gab, als dem Lehrer eine, aus jugendlicher Rebellion heraus motivierten, Protestgeste zu setzen, war dies eine so perfekt auf den Punkt getroffene, unausgesprochene Wahrheit, sodass ein Mittelschüler das Potential, in welchem dieses kontroverse Statement unter Umständen zu hätte unvorstellbaren Spannungen führen können, niemals hätte begreifen könnte.

Etwas, was mir in meiner eigenen Kindheit und Jugend nie bewusst werden konnte, war das tatsächliche Ausmaß, in welchem auf mich seit kleinster Kindheit enormer Druck ausgeübt wurde, unabhängig davon, ob mir das nun persönlich passte oder nicht, gesellschaftskonforme Verhaltensweisen anzunehmen und diese ab dem Zeitpunkt als meine Eigenen zu implementieren. Projiziert man das jetzt auf einen großen Maßstab, wäre das nichts anderes, als die opportunistische Sozialisierung von Kindern, versteckt in Schulbüchern. Wenn Klein Timmi nicht endlich anfängt zu springen, wenn die Erwachsenen „Los“ rufen, wird Groß Timmi das ihm auferlegte Stigma einer diagnostizierten geistigen Behinderung, wodurch ihm der Zugang zu Förderung für immer verschlossen bleiben wird, nicht mehr los.

Hätte ich damals bloß mein Wissen oder innere Festigkeit von heute gehabt, hätte ich mir jede einzelne meiner gesellschaftlichen Zwangsjacken vom Körper gerissen, womit ich fundamental anders mit diesem Gefängnis der Anpassung hätte umgehen können, welches seine Basis für eine unterwürfige Arbeiterkultur, in den staatlichen Kinder- und Jugend-Gehirnwäschereien tief verankert hat, was wir dann wiederum als Schulpflicht kennen.

Kreatives Denken wird ausschließlich innerhalb konventionell genehmigter Grenzen zugelassen, womit die Illusion des freien Willens zu einem Instrument für die Durchsetzung eines egogetriebenen Konkurrenzdenkens wird. So unterscheiden sich doch die vielen Schulformen, aus einer thematischen Sicht heraus, primär erstmal nur in der Art und Weise, dem heranwachsendem Steuerzahler von morgen, das Konzept von „work—buy—consume—die“ näherzubringen. Das Konzept als solches existiert bildungsniveauunabhängig. Gleichzeitig ist die einfachste, konkurrenz-fördernde Disziplin unter dieser Form der Erziehung der Schwanzvergleich.

Eine solche Ausprägung des Konkurrenzdenkens füht sich ohne Zweifel in Bayern zu Hause, wo sich jeder Schüler, spätestens beim Eintritt in die gymnasiale Oberstufe, einen darauf runterholen kann, laut Eltern und Lehrern, den heiligen Gral vom Abitur Deutschlands anzutreten. Solch eine Errungenschaft sei einem ausgeklügelten Konstrukt zu verdanken, welches durch generationsübergreifende Indoktrinierung, die Furcht vor Fehler und Versagen, zum leitenden Katalysator für Leistung erhebt.

Generalisierte Angststörung nach dem ICD-10 (F41.1) gibt es übrigens zu der allgemeinen Hochschulreife einfach so obendrauf! Allerdings sei es nur einigen wenigen Spitzenreitern von dieser unfreiwilligen Disziplin vergönnt, in eine als Gymnasium getarnte Foltereinrichtung glorreich zurückkehren zu dürfen, stolz beschmückt mit einer, im Lehramtsstudium erworbenen Auszeichnung für angewandte Misanthropie, sowie, im Idealfall, einem zusammenhangslosen Cluster fuck an Halbwissen, sodass die heiligen Lehren der Idiokratie, auch den kommenden Generationen von unvoreingenommenen Schulkindern, stets Kummer und Frust bereiten würden.

Das Leben ist wert, gelebt zu werden, sagt die Kunst, die schönste Verführerin.

F. Nietzsche

Doch wehe, ein Jünger gymnasialer Bildung habe sich, außerhalb akademisch greifbarer Grenzen, von nonkonformistischen Götzen, zu unorthodoxen Gedankenverbrechen verführen lassen, so bleibt es, nach Abiball und Zeugnisvergabe, nur noch der Psychiatrie überlassen, alle verlorenen Seelen im ordinären Licht zu sammeln, und sie, von dessen Schein und Glanz gehütet, in diversen Adaptionen, unter Berücksichtigung individueller Diversitätslosigkeit, neuzuvermarkten.

Der Außenseiter unter den Außenseitern

Hier mal ein persönlicher Beitrag über meine Schulzeit, den ich einfach mal loswerden wollte!

Wenn man an die Schulzeit zurück denkt, erinnert sich der Eine oder Andere eventuell daran, wie es immer Grüppchen und Cliquen gibt. Übrig bleiben die Außenseiter, die sich irgendwann zusammentun, durch ihr Anders-Sein zueinander finden und gute Freunde werden…Nun ja, meine Geschichte war das nicht!

Als Kind war ich weird. Ich glaube, dass Kinder das intuitiv spüren konnten. Vor allem in meiner Grundschulzeit hatte ich keine richtige gemeinsame Basis mit den Anderen, nicht nur, weil meine Art zu kommunizieren anders war, sondern primär, da das, was ich interessant fand und das, was die Anderen interessant fanden, scheinbar kaum Überschneidungen hatte. In den Pausen aß ich meistens alleine auf einer Bank auf dem Pausenhof mein belegtes Brot und betete, dass mich niemand einladen würde, Fangen zu spielen (oder andere Gruppenspiele, aber fast immer war es Fangen), denn mir war, warum auch immer, nicht bewusst, dass eine Einladung freiwillig ist, weshalb ich mich immer verpflichtet gefühlt habe, diese anzunehmen und um ehrlich zu sein, ich habe dieses Spiel gehasst. Wenn man sich im Musikunterricht ein Lied zum Vorsingen, oder für den Wandertag eine Aktivität aussuchen musste, war ich meistens die einzige, die sich für Option X entschieden hatte, während der Rest Option Y oder Z wählte.

Bis jetzt klingt das, wie die typische Außenseiter Geschichte, aber versprochen, der Plot Twist kommt noch! Denn obwohl ich eine gewisse „social Unawareness“ hatte, gab sie mir eine starke Festigung in meiner Individualität und einen damit verbundenen Eigensinn. Es störte mich meistens nicht, dass niemand meine Art zu denken teilte, denn die meisten Dinge konnte ich alleine eh viel besser! Bis ich ins Gymnasium kam, empfand ich mein Außenseiter-Sein nie als Belastung, sondern eher als Fakt und machte das Beste daraus. Deshalb hatte ich auch keine negative Gefühle den Kindern gegenüber, die mich ausgrenzten, da dies für mich zumindest auf eine Art Gegenseitigkeit beruhte.

Was ich retrospektiv interessant finde, ist, dass diese Einstellung vermutlich der Grund war, warum die anderen Außenseiter mit mir nie relaten konnten. Meine Erfahrung war schließlich eine gänzlich andere und meine Art, damit umzugehen wirkte wohl sehr eigenartig. Was mich zum Titel dieses Beitrags führt: ich war nicht nur der Außenseiter in meiner Klasse, sondern sogar der Außenseiter unter den Außenseitern. Und ich war okay damit.

Als ich jedoch aufs Gymnasium kam, wurden die intersozialen Strukturen etwas komplizierter und ich hatte auch meine ersten Selbstfindungsphasen, die teilweise etwas peinlich waren, aber lassen wir das. Plötzlich hatte ich zum ersten Mal den Wunsch, Freunde zu finden, die nicht nur mein Bruder waren, doch so richtig Ahnung, wie man das macht, hatte ich nicht, also war es bei so ein klassischer Trial and Error Approach, der für meine Verhältnisse ganz gut geklappt hat. Doch es zog sich ein gewisses Muster durch meine Freundschaften durch, denn trotz der vereinzelten Freundschaften hier und da, war ich nie länger, als zwei Jahre mit der Person, mit der ich was aufgebaut hatte, in einer Klasse, da unsere Klassen immer wieder durchgemischt wurden. In den meisten Fällen war es eigentlich ein Jahr. Und mit dem Rest hatte ich sehr neutrale Beziehungen, war aber allgemein sehr reserviert und höflich, was vermutlich sehr verwirrend für meine Klassenkameraden war, da ich nie auf Mobbingversuche oder ähnliches so richtig eingegangen bin, bzw. überhaupt mitbekommen habe.

Trotzdem habe ich immer gespürt, dass ich ausgegrenzt wurde und das hat mich immer viel zum Nachdenken bewegt. „Warum bin ich so falsch, dass niemand was mit mir zu tun haben will?“, oder „Gibt es niemanden auf dieser Welt, der so ist, wie ich?“, waren so Dinge, die mein Selbstbewusstsein ganz schön in den Arsch getreten haben.

Inzwischen habe ich eine ziemlich gutes Verhältnis zum Anders-Sein und bin in einigen Punkten auch dankbar, dass meine Erfahrung mir so viel beigebracht hat (An dem Selbstbewusstsein arbeite ich aber noch lol). Mir ist bewusst, dass es oft hart und einsam ist, sich nirgendwo zugehörig zu fühlen, denn wenn es niemanden gibt, der einen versteht, muss man sich immer selbst aufbauen und ja, das ist verdammt anstrengend. Deshalb an alle Fellow Außenseiter da draußen: Nicht aufgeben und stay strong!!!

Autismus Diagnostik – Meine Erfahrung [PART 2]

Das ist der zweite Teil meiner Erfahrung mit dem Prozess einer ASD Diagnostik. Hier nochmal eine Zusammenfassung, worum es in den beiden Parts geht:

In PART 1 erläutere ich die Teile meiner Vorgeschichte, die relevant für meinen Diagnostik-Prozess waren, sowie, wie mein erster, gescheiterter Versuch abgelaufen ist und wie mich das geprägt hat.

In PART 2 gehe ich darauf ein, wie ich anschließend die Lockdown-Zeit genutzt habe, um selber Recherchen anzustellen, meine Traumata aufzuarbeiten und wie mich das zu meinem zweiten Diagnostik-Versuch geführt hat, der deutlich besser gelaufen ist. 


NT = Neurotypischer Mensch, also jemand, der eine typische (oder „normale“) Gehirnentwicklung hat .

ND = Neurodiverser Mensch, also jemand, der eine atypische Gehirnentwicklung hat (wie Autisten, ADHSler, und das ganze andere Zeug) .

ASD = Autism Spectrum Disorder, oder auf Deutsch Autismus Spektrum Störung .

Meine Recherche

So viele Schattenseiten die Pandemie auch mit sich brachte, für mich ergab sich zumindest der Vorteil, dass ich plötzlich eine Menge extra Zeit dazubekommen habe, um mich mit Dingen zu beschäftigen, die ich zuvor in meinem Alltag nie richtig einschieben konnte. Wie bereits in PART 1 erwähnt, habe ich es in dieser Zeit geschafft, meine ursprüngliche Unsicherheit bezüglich einer erneuten ASD Diagnostik hinter mir zu lassen, doch diesmal wollte ich besser vorbereitet sein. Und so konnte das große Googeln auch beginnen!

Wann immer ich ein neues Topic recherchiere, habe ich meistens ein grobes Schema, wonach ich vorgehe:

  1. Basic Infoseiten, quasi das, was in Google auf Seite 1 ist + Links
  2. Forschungsergebnisse, wissenschaftliche Artikel, Studien, usw.
  3. Blogs, Foren, persönliche Berichte, journalistische Artikel, usw.
  4. YouTube Videos, Vorlesungen, TedTalks, Podcasts, usw.

Danach habe ich im Regelfall einen ziemlich guten Überblick über mein Thema.

Bei Autismus fand ich die Recherche trotzdem relativ komplex. Zum einen ist die ASD-Präsentation im Erwachsenenalter an sich ein relativ junges Forschungsgebiet, welches zum Teil auf veralteten Meinungen und Fehlannahmen basiert. Ebenfalls äußert es sich bei Frauen anders, als bei Männern, weshalb auch da wieder die Informationen, die man im Netz so findet, nicht immer auf den neusten Stand sind. Zum anderen umfasst das neurodiverse Spektrum einfach eine unheimlich große Vielfalt von individuellen Manifestations Möglichkeiten, abhängig vom Individuum versteht sich. Zudem überschneiden sich die Charakteristiken untereinander und mit diversen anderen Mental Health Issues, sodass es nicht immer einfach ist, eindeutig zu bestimmen, was jetzt Sache ist. Auch ist es nicht ungewöhnlich, mehrere Diagnosen parallel zu haben und es verschwimmt irgendwie alles ein wenig ineinander.

Kurzer Exkurs zu meiner Theorie/Meinung über die Differenzierung von ASD zu anderen Sachen: COMING SOON!

Mir persönlich war es wichtig, möglichst alle Optionen einmal abzuwägen, um nicht erneut in die uninformierte Diagnostik Falle zu tappen, weswegen mein Ansatz erstmal daraus bestand, einer theoretischen Auseinandersetzung zu folgen, ohne sofort Bezug zu mir selbst herzustellen.

Trauma Aufarbeitung

Mein ursprüngliches Konzept war keineswegs schlecht, denke ich, doch wie es immer so schön ist im Leben, entwickeln sich die Dinge manchmal komplett anders, als erwartet. Schon nach kurzer Zeit formte sich in meinem Kopf ein immer klareres Bild davon, wie bestimmte Autismus spezifische Thematiken mit meinen Traumata zusammenhängen könnten und weg war die objektive Distanz.

Da ich ja zu Beginn vom Lockdown ja eh stark mit meiner Mental Health zu kämpfen hatte, war es nicht zu vermeiden, dass Dinge aus dem Unterbewusstsein hervorkamen, die es für mich nun zu reflektieren galt. Ziemlich sicher wäre das im Pre-Corona Alltag und voraussichtlich auch Post-Corona, zeitlich einfach nicht im Rahmen des Möglichen gewesen. Der Lockdown war deshalb die ideale Möglichkeit.

Meine erste Erkenntnis in dem Kontext war vermutlich das mit dem Masking. Es abzulegen gab mir plötzlich einen gänzlich vergessenen Teil meines Denkens zurück, auf den ich aufgrund von ständiger Erschöpfung (autistic burnout) lange keinen Zugriff mehr hatte.

Für die, die den Begriff Masking nicht kennen, das ist eine Form des Sich-Verstellens, oder -Anpassens, um „normal“ zu wirken. Oft hat es zur Folge, dass man psychische Probleme davonträgt, bis hin zum Verlust der eigenen Identität oder Burnout, da es sehr viel Energie kostet, 24/7 eine Persona zu spielen. In vielen Fällen passiert das auch auf Kosten der eigenen physischen, psychischen und/oder emotionalen Bedürfnisse, wenn diese im Konflikt mit seiner NT-Performance stehen. Viele beschreiben die Experience, mit dem Masking aufzuhören oder zumindest es zu reduzieren, als sehr befreiend!

Man kann sich das so vorstellen, als würde man die ganze Zeit versuchen, seinen Gameboy zu einem Tamagotchi zu machen, weil jeder einen Tamagotchi besitzt, aber man selbst hat nur den Gameboy, also versucht man, diesen einfach so zu modifizieren, dass er zu einem Tamagotchi wird. Doch jedes Mal, wenn der Gameboy ein Nintendo-Geräusch macht, wird man sauer und schraubt mehr und mehr daran rum und versucht das System umzuschreiben, bis nichts mehr richtig funktioniert und der arme Gameboy nicht mehr angeht 😦
Aber dann merkt man, wie dumm die Idee war und resettet alles, entschuldigt sich bei dem kleinen Gameboy und füttert ihn mit nem nicen Game! Er kann endlich wieder ein authentischer Gameboy sein and it feels like magic!! 🙂

Zweiter Versuch

Nachdem ich mir also nach ca. einem Jahr Recherche relativ sicher war, dass ich doch nochmal ein Assessment machen möchte und ich zudem, aus unterschiedlichen Gründen, unbedingt die Borderline Diagnose, die ich ja noch immer am Arsch hatte, loswerden wollte, suchte ich mir die paar wenigen Therapeuten raus, die bei mir in der Umgebung Autismusdiagnostik für Erwachsene angeboten haben. Ich landete bei einer Therapeutin, die im Kontrast zu der Vorherigen außerordentlich kompetent wirkte.

Das Gesamte Verfahren erstreckte sich auf mehrere Sessions und bestand aus den standardmäßigen, psychotherapeutischen Diagnoseinstrumenten, die man halt so kennt. Trotzdem war das Gefühl, bei einer Therapeutin zu sitzen, die tatsächlich Ahnung hat, schon echt angenehm und ihre sympathische und intelligente Art, hat wahrscheinlich auch geholfen!

Also falls das es aus diesem Beitrag bisher noch nicht klar geworden ist: Ja, ich habe eine Diagnose für eine Autismus Spektrum Störung bekommen, wobei mich zwar die Diagnose an sich nicht so richtig überrascht hat, aber einige Details und Nuancen waren trotzdem unerwartet.

Prinzipiell ist es immer eine persönliche Entscheidung, ob man sich durch so einen Prozess wirklich durchzwängen sollte, oder nicht, denn es gibt tatsächlich viele Faktoren, die dafür, oder dagegen sprechen, also ist es immer sinnvoll, sich das gut zu überlegen. Für mich jedenfalls war das mit Sicherheit die richtige Entscheidung und ich bin sehr froh, dass es sich so ergeben hat!

Abschließende Gedanken

Retrospektiv gab es wohl in meiner Diagnostik Journey mehrere Kernaspekte, die das Ganze zwar durchaus zur Herausforderung gemacht haben, jedoch zur gleichen Zeit einen einzigartigen Lernprozess kreiert haben, welcher mir am Ende interessante Einblicke in mein eigenes Denken, das Denken meiner Mitmenschen und allgemein in das breite Spektrum der Neurodiversität ermöglichen konnten, mich aber auch mit gesellschaftlichen Problemstellungen konfrontiert hat, die ich sonst eventuell übersehen hätte.

Wenn man mir vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich mich beim Versuch, eine einzige Diagnose zu bekommen, freiwillig darauf einlassen würde, durch so viele Hürden zu springen…oder so nebenher gesagt, überhaupt so einem blöden Zettel mit einem Label einen solchen Wert zuschreiben würde…vermutlich hätte ich gelacht und mir vorsichtshalber einen kuscheligen Platz in der Klapse reserviert…But here we are!

Nicht, dass ich es unbedingt gut finde, alles zu pathologisieren, was nicht der Norm entspricht, ganz im Gegenteil. Man sollte sich zuerst im Klaren sein, was man erzielen möchte und ob eine Diagnose eher nützlich oder kontraproduktiv wäre, dann versucht man einfach, in diesem blöden System, welches primär dem Markt und nicht dem Menschen dient, trotzdem sein Bestes für sich und seine Liebsten zu geben und sein authentisches Ich zu bewahren! 🙂

„Du bist aber reif für dein Alter!“, sagten sie…

In diesem kurzen Beitrag setze ich mich, basierend auf meiner persönlichen Erfahrung, mit der Diskrepanz zwischen den beiden „Arten von Alter“ in einer eher informalen Form auseinander.

Definition

Was bedeutet „mentales“ oder „chronologisches“ Alter? Das eine bezieht sich auf die emotionale/kognitive Reife, während das andere das Alter ist, das im Pass steht. Doch was, wenn die beiden sich unterscheiden? Und welche Auswirkung könnte das auf das Leben haben?

Ob nun an der Idee des mentalen Alters was dran ist, oder nicht, scheinen Menschen doch sehr individuell in ihrer Entwicklung zu sein, welche die emotionale Reife schließlich beinhaltet, wobei diverse Faktoren, wie Erziehung, Lebensumstände, einzelne Erlebnisse und noch vieles mehr, eine Rolle spielen. So werden Kinder, die früher Selbständigkeit erlernen, erfahrungsgemäß auch dementsprechend früher das, was man als erwachsen bezeichnen möchte. Begriffe, wie „frühreif“ (also ein Kind, das sich erwachsener verhält, als es sollte), oder „Man-child“ (also ein erwachsener Mann, der sich wie ein Kind verhält) beschreiben letztendlich nichts anderes, als besagte Diskrepanz.

Persönliche Erfahrung

In meinem Fall wurde mir einerseits immer wieder, von unterschiedlichen Personen, gesagt, ich wirke älter, als ich eigentlich bin (nicht äußerlich jedoch, da werde ich immer noch nach dem Ausweis beim Bier kaufen gefragt…mit fast 26), was im Übrigen auch für viele meiner Freunde gilt, was vermutlich einer der vielen Gründe ist, warum wir ausgerechnet uns gegenseitig gefunden haben! Im selben Atemzug wiederum heißt es „ich würde Thema xyz irgendwann schon verstehen, wenn ich älter bin“. Also was jetzt??

Diese Frage hat mich eine lange Zeit wahnsinnig gemacht, doch der Schluss, zu dem ich gekommen bin, ist: Beides! Denn mit einer solchen Diskrepanz zu leben, bringt folgendes Problem mit sich: Kognitiv fühlt man sich reif genug, um sich mit bestimmten Dingen auseinanderzusetzen, vielleicht ist man auch emotional schon reif genug, um mit Dingen auf eine Weise umzugehen, wie es Leute mit 10 Jahren Vorsprung tun würden, vielleicht überspringt man den einen, oder anderen Schritt, wenn man diesen objektiv gesehen verstanden hat und sich nicht mit langweiligen Dingen aufhalten möchte, doch da liegt auch das Problem! Denn es fehlt einem an derselben Lebenserfahrung, die jemand mit 10 Jahren Vorsprung haben würde. Ja, ja, mir ist durchaus bewusst, dass an dieser Stelle der eine, oder andere mit den Augen rollen wird. Dennoch kann ich einfach nicht leugnen, dass es Dinge gibt, die sich aus der Lebenserfahrung heraus einfach herauskristallisieren, was leider in vielen Fällen weder mit Intelligenz, noch mit harter Arbeit substituierbar ist. Auch gibt es unzählige Dinge, die bis zu einem bestimmten Alter nicht einmal realistisch möglich sind, ob es also so effizient ist, sich darüber schon im Voraus Gedanken zu machen, ist eher fragwürdig. Schließlich ist es nicht immer möglich, eine 100%ig akkurate Aussage über etwas zu treffen, was einfach noch nicht im eigenen Leben passiert ist.

Um es so kurz, wie möglich zu fassen, habe ich ein Bild ausgegraben, welches ich vor einiger Zeit mal in mein Notizbuch verewigt hatte:

Wegen chronologischem Alter: zu wenig Lebenserfahrung (Rot); Wegen mentalem Alter: gewisse Erfahrungen sind zu langweilig (Blau); trotzdem sind beide aneinander gekettet

Klar ist, dass das mentale Alter, egal, wie „reif“ man sich fühlen mag, IMMER vom chronologischen Alter abhängig ist und kann somit nicht isoliert betrachtet werden!

Fazit

Was ist also die Konsequenz einer solchen Diskrepanz? Nun, natürlich kann ich nur für mich sprechen, da meine persönliche Wahrnehmung die einzige ist, die ich als eindeutige Referenz habe, deshalb gilt die folgende Schlussfolgerung wohl primär für mich, jedoch kann ich mir vorstellen, dass so manch anderer sich bestimmt darin gewissermaßen wiederfinden könnte.

Etwas rational zu verstehen und tatsächlich die Erfahrung gemacht zu haben ist, welch ein Schock, nicht das Selbe! Ja, richtig gehört, ich wollte es auch nicht glauben! </Sarkasmus>

Spaß bei Seite, manchmal bin ich im Kopf schon sehr viel weiter, als ich es sollte. Ich rationalisiere alle mir erdenklichen Perspektiven, versuche mich auf sämtliche Reaktionen, die ich auf Situationen eventuell haben könnte, mit Plan A, B und C vorzubereiten, nicht selten habe ich ein tiefes Verständnis für Dinge außerhalb meiner geistigen Reife, jedoch nur im theoretischen Kontext und dann schlägt die Realitätsbombe ein, als hätte meine Vorarbeit absolut keinen Wert. Denn in vielen Fällen weiß man einfach noch nicht, wie man mit Sachen umgeht, die man noch nicht erlebt hat. Und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es mich nicht wahnsinnig macht, rational zu wissen, wie ich eigentlich hätte reagieren sollen, versus meine tatsächlichen Fähigkeiten, damit umzugehen.

Leider fällt mir auch nicht wirklich etwas ein, was man dagegen tun könnte und um ehrlich zu sein, glaube ich, dass ich es gut finde, wie es ist. Trotz der gelegentlichen Verzweiflung über diese unmögliche Gegebenheit, gibt sie mir auch eine durchaus sehr interessante Sicht auf die Dinge und eröffnet viele Fenster für interessante Gespräche! Denn was gibt es schöneres, als im Rausch der Gefühle, seiner Logik freien Lauf zu lassen, um im konstruktiven Dialog mit sich selbst, die Lücke der fehlenden Lebenserfahrung zu füllen!

Autismus Diagnostik – Meine Erfahrung [PART 1]

Wer selber schon mal eine Diagnostik angestrebt hat, oder darüber nachgedacht hat, weiß, wie lange sich dieser Prozess hinziehen und mit welchen Verzögerungen und Schwierigkeiten es manchmal verbunden sein kann. Deshalb teile ich diesen Beitrag in zwei Teile auf, sonst wird das zu lang.

In PART 1 erläutere ich die Teile meiner Vorgeschichte, die relevant für meinen Diagnostik-Prozess waren, sowie, wie mein erster, gescheiterter Versuch abgelaufen ist und wie mich das geprägt hat.

In PART 2 gehe ich darauf ein, wie ich anschließend die Lockdown-Zeit genutzt habe, um selber Recherchen anzustellen, meine Traumata aufzuarbeiten und wie mich das zu meinem zweiten Diagnostik-Versuch geführt hat, der (bis jetzt zumindest, denn ich bin noch nicht ganz durch) deutlich besser gelaufen ist.


NT = Neurotypischer Mensch, also jemand, der eine typische (oder „normale“) Gehirnentwicklung hat .

ND = Neurodiverser Mensch, also jemand, der eine atypische Gehirnentwicklung hat (wie Autisten, ADHSler, und das ganze andere Zeug) .

ASD = Autism Spectrum Disorder, oder auf Deutsch Autismus Spektrum Störung .

Vorgeschichte

Im Jahr 2018 befand ich mich, nachdem ich in stationärer Behandlung den Borderline Stempel bekommen hatte, in ambulanter Psychotherapie, speziell Verhaltenstherapie. Ich erinnere mich, dass diese Zeit für mich mit viel Frustration verbunden war, da ich einerseits scheinbar nicht so richtig mit meiner Therapeutin geklickt habe, andererseits die Therapie als solche nicht wirklich funktioniert hat. Ich habe mich ständig gefühlt, als würde man mir versuchen, Gefühle einzureden, die ich nicht hatte und mich zwingen wollen, Maßnahmen zu ergreifen, die mehr Anstrengung, als Resultate brachten. Zur selben Zeit befand ich mich in meinem ersten Semester an der Uni und dementsprechend war das Thema soziale Kontakte immer wieder im Fokus. Meine Therapeutin wollte lange Zeit nicht akzeptieren, dass ich weder das Bedürfnis, noch die Energie hatte, mich um soziale Kontakte an der Uni zu kümmern, da ich in der Mittagspause lieber alleine Schach auf meinem Handy spielen wollte, anstatt mich mit meinen Kommilitonen zu unterhalten.

Ebenfalls hatte ich das Gefühl, als wäre meine Art, mich selbst zu reflektieren, komplett Fehl am Platz im verhaltenstherapeutischen Konzept, da auf meine Ausführungen meiner Mental Health Probleme, deren Ursprünge, potenzielle Lösungswege, usw. stets mit trivialen Ratschlägen zur Self Care erwidert wurden. Jedoch war ich zu dem Zeitpunkt durchaus determiniert, diese Therapie zum Funktionieren zu zwingen, weil mir bis dahin die Psychotherapie als einziger Weg bekannt war, mit psychischen Problemen umzugehen.

Erster Versuch

Irgendwann bin ich durch Zufall auf ein YouTube Video gestoßen, in dem es um Autismus bei Frauen/Mädchen ging und ich klickte es aus reinem Interesse an. Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass ich mich in fast jedem einzelnen Punkt wiederfinden konnte. Dies brachte mich zuerst vollkommen aus dem Konzept und stellte meine Selbstwahrnehmung erstmal komplett auf den Kopf. Da ich am nächsten Tag eh eine Sitzung hatte, sprach ich das Thema Autismus, ohne weiter darüber nachzudenken, direkt bei meiner Therapeutin an, was sich als großer Fehler herausstellen sollte. Ich erinnere mich noch genau daran, dass ihre erste Reaktion ungefähr so war:

Ich habe andere Patienten, die im Spektrum sind und Sie wirken jetzt nicht unbedingt autistisch auf mich!

Gefolgt von dem Satz, mit dem ich so gar nicht gerechnet hatte:

Ganz schön mutig von Ihnen, eine professionelle Diagnose (die Borderline Diagnose) einfach so anzuzweifeln!

Nichtsdestotrotz bekam ich am nächsten Tag eine Mail, in der sie mir mitteilte, dass sie nochmal darüber nachgedacht hätte und bereit wäre, mit mir eine Diagnostik zu machen. So wurde ich bei der nächsten Sitzung mit mehreren Fragebögen empfangen, welche die klassischen Kriterien nach dem ICD-10 abgefragt haben. Retrospektiv kann ich sagen, dass es sehr kontraproduktiv war, mich auf eine Diagnostik bei jemandem einzulassen, der nicht spezialisiert in Autismus ist, da die Ignoranz meiner Therapeutin und meine eigene Verunsicherung durch ihre ursprüngliche Reaktion dazu geführt haben, dass ich mich letztendlich invalidiert gefühlt habe, auch wenn ich mir sicher bin, dass es nicht ihre Intention war, sowie die Art, wie sie die Fragen formuliert hat auf meiner Seite zu Verwirrung und Missverständnissen geführt hat. Z. B. auf die Frage hin, ob ich Dinge, wie Zahlen, Daten, usw. sammeln würde, war meine Antwort „Nein“, da ich weder Zahlen, noch Daten jemals gesammelt habe. Jedoch war mir nicht klar, dass damit allgemein Information jeglicher Art gemeint war, nicht nur wortwörtlich Zahlen und Daten und wenn ich mir meine PDF-Sammlungen von Research Papers zu Neuroforschung anschaue, dann sieht sie Antwort ganz anders aus. Aber solche Dinge müssen einem erst bewusst werden. Wenn wir schon bei dem Thema sind, war mir ebenfalls nicht bewusst, dass ich viele Dinge sehr wörtlich nehmen, denn auch diese Frage habe ich verneint, was im Nachhinein schon wieder anekdotisch ist. Auch wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, was mit „repetitiven Bewegungen“ genau gemeint war, da ich das Wort Stimming noch nie gehört hatte und ich nahm an, sie meint sowas, wie beim Tourette-Syndrom, oder nervöse Tics. So verneinte ich auch diese Frage, während ich durchgehend mit meinem Bein gewippt und mit meinem Stift rum getrommelt habe.

Ich erinnere mich, dass ich trotzdem knapp über dem Cut-Off Wert lag, also setzte sich die Diagnostik fort und es brachte schon die nächste Ignoranz-bedingte Problemstellung mit sich. Da ich künstlerisch begabt bin, Kommunikationsdesign studiere und in meiner Freizeit viel Kunst mache, hat sich das sofort mit dem Klischee des pragmatischen, unkreativen Mathe Genies widersprochen, welches scheinbar für meine Therapeutin ein ganz wichtiges Ausschlag-Kriterium war, um ASD zu diagnostizieren. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie sie behauptete, Autisten könnten nicht kreativ sein. Als ich daraufhin meinte, dass ich durchaus autistische Künstler*innen kennen würde, schaute sie mich ganz verdutzt an und antwortete mir: 

Die wurden aber bestimmt nicht offiziell diagnostiziert. Zumindest nicht in Deutschland.

Ironischerweise war ich in der Schule durchaus auch mathematisch begabt und nahm bis zur Mittelstufe (wo meine Depressionen eskalierten) jedes Jahr an der Mathe-Olympiade teil, jedoch finde ich es oft schwierig, unerwartete Fragen sofort zu verarbeiten und die richtige Antwort zu finden, also sind mir diese Dinge in dem Moment gar nicht erst eingefallen.

Auch hatte ich stark den Eindruck, sie würde versuchen, mich davon zu überzeugen, dass meine Vermutung nicht stimmen würde, was aber möglicherweise zum Teil an meiner Wahrnehmung gelegen haben könnte, man weiß es nicht. Mir war auch das Konzept des Maskings noch nicht bekannt und es fiel mir sehr schwer, zu erklären, warum ich scheinbar einige Dinge problemlos meistern könne und trotzdem behaupte, ich hätte Probleme damit.

Ich kann jedem, der vor hat, sich diagnostizieren zu lassen, nur empfehlen, sich zumindest grob im Vorfeld auszulegen, was man sagen möchte, da man sonst mit unerwarteten Fragen, die teilweise sehr ungenau formuliert sind, überrumpelt wird. Aber naja, im Nachhinein ist man immer schlauer, wie man so schön sagt.

Auf jeden Fall war der Teil über meine Kindheit mein persönlicher Breaking Point, an dem ich beschlossen habe, die Diagnostik nicht weiter fortzuführen, mit den Worten: 

Wissen Sie was, scheiß drauf, ich nehme einfach die Borderline Diagnose, macht ja anscheinend eh keinen Sinn!

Der Grund dafür war, was ich jedoch erst viel später reflektieren konnte, dass ich mich zu dem Zeitpunkt noch nicht mit Traumatisierungen aus meiner Kindheit und Jugend auseinandergesetzt hatte und mich dieses Thema deswegen extrem getriggert hat. Bestimmt bin ich mindestens zwei, drei Mal heulend aus der Therapie rausgegangen, da die Art, wie ich ganz casual über meine Kindheit ausgefragt wurde, sehr unsensibel war, sowie wunde Punkte in mir getroffen wurden, die ganz tief in meinem Unterbewusstsein verankert waren.

Selbstzweifel

Kurz nach Corona-Beginn brach ich die Therapie ab. Das Thema Autismus hatte ich im Kopf bereits abgehackt, weil ich mich nur noch verunsichert gefühlt habe und mir eigentlich auch selber nicht mehr so sicher war, ob das nicht alles doch nur meine Einbildung war. Als ich daraufhin eine Trennung hinter mir hatte, fokussierte ich mich zuerst darauf und beschäftigte mich eher sporadisch, wenn denn überhaupt, mit Neurodiversität als Solche.

Allerdings hatte der Fakt, dass ich Corona-bedingt sozusagen nicht funktionieren MUSSTE zur Folge, dass ich irgendwann nicht mehr funktionieren KONNTE und ich stellte fest, dass mein Zustand sehr stark mit dem räsoniert hat, was man unter „Autistic Burnout“ versteht. Trotz alledem habe ich ziemlich lange gebraucht, um etwas, was ich bereits abgeschrieben hatte (nämlich die Möglichkeit, dass ich im Spektrum sein könnte, bzw. jemals wieder eine Diagnostik machen würde), wieder an die Oberfläche zu holen und meine eigenen Selbstzweifel, die in dem Moment dominiert haben, zu überwinden. Man muss dazu sagen, dass ich mir im Laufe meines Lebens abgewöhnt hatte, mich selbst in meiner Wahrnehmung validieren zu können, weshalb mich jeder Ausdruck von Zweifel von außen, z.B. von Freunden, wieder zurück an den Anfang geworfen hatte. Es fühlte sich an, als würde ich zwei Schritte nach vorne und zehn nach hinten machen. So war es ein ewig langes Prozedere, diese Selbstzweifel wegzubekommen. Es hat mir sehr geholfen, meine Erfahrungen chronologisch von hinten aufzurollen, einzusortieren und zu rationalisieren, was bestimmt mindestens ein Jahr gedauert hat, mich aber auch sehr an mir selbst wachsen ließ und meiner Mental Health extrem zugute kam.

Tbc…

Toxic positivity

„Lächle doch mal!“

„Du musst mal positiv denken!“

„Fokussiere dich doch nicht immer auf das Schlechte!“

Diesen und viele andere Sätze hören wir ständig von allen Seiten, vermutlich bereits seit frühster Kindheit. Denn wer möchte schon runtergezogen werden. Schließlich haben es andere ja viel schlimmer und die beschweren sich auch nicht…STOP!!!! Das ist genau das Mindest, was man unter „Toxic positivity“, oder auf deutsch „Toxische Positivität“ versteht, denn oft es geht darum, den Schein zu wahren.

Mental Health kommt glücklicherweise immer mehr im Dialog des Mainstreams an und die Richtung stimmt auf jeden Fall. Doch trotzdem scheinen die Menschen Emotionen „positiv“ oder „negativ“ zu bewerten, was natürlich dazu führt, dass die „positiven“ bevorzugt werden, während man den „negativen“ aus dem Weg gehen möchte.

Toxic positivity kann man sich selbst, sowie anderen gegenüber haben. Doch in beiden Fällen ist das Ziel, „negative“ Gefühle so schnell wie möglich loszuwerden, oder im besten Fall erst gar nicht zuzulassen. Das ist auch okay in einer Krisenintervention oder anderen akuten Situation. Doch was passiert langfristig, wenn wir immer ein Smiley-Pflaster auf unsere Wunden kleben, in der Hoffnung, dass es die Blutung schon irgendwie stoppen wird? Und wie oft soll das funktionieren, bis man ganz aufgibt? Geht es denn nicht darum, eine gesunde Regulation der eigenen Emotionen zu entwickeln, in der man den Umständen entsprechend glücklich, traurig, wütend oder verletzt sein kann?

Um mal zu verdeutlichen, was der Unterschied ist zwischen einem positiven Mindest und Toxischer Positivität, hier ein Beispiel:

(A: Toxic Positivity; B: Positives Mindset)

Hauptsächlich invalidiert jemand, der „toxisch positiv“ ist, das negative Gefühl von vornherein und versucht es nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ nicht zuzulassen, während jemand mit einem positiven Mindset das Gefühl als solches anerkennt und versucht, „auf das Beste zu hoffen“. Jedoch muss ich zugeben, dass der Grad manchmal durchaus sehr schmal sein kann.

Glücklicherweise sehe ich auf meinen Social Media Kanälen immer mehr Leute, die dieses Thema ansprechen und das Zeigen von Gefühlen wird auch immer akzeptierter in der Gesellschaft, auch wenn das natürlich alles ein Prozess ist.

Ningen Shikkaku – Dazai Osamu

Ningen Shikkaku (jap. 人間失格, dt. „Nicht Länger Menschlich“), oder der deutschsprachige Titel, „Gezeichnet“, ist ein Roman von Dazai Osamu. Außerdem kam 2009 eine Anime-Adaption im Rahmen der Serie Aoi Bungaku Series (jap. 青い文学シリーズ, dt. „Blaue Buch Reihe“), durch welche ich persönlich diese Geschichte kennengelernt habe und schon damals, obwohl ich noch relativ jung war, spürte ich eine gewisse Resonanz zum Protagonisten Oba Yozo, einem Künstler, der sein gesamtes Leben damit zu kämpfen hat, zu sozialen Bindungen nicht fähig zu sein, das damit verbundene Gefühl der Entfremdung und gleichzeitig das Zerbrechen unter dem gesellschaftlichen Druck.

In diesem Beitrag setze ich mich erstmal mit 4 der Leitmotive des Werkes auseinander. (Es gibt durchaus noch weitere, jedoch gehe ich nur auf diejenigen ein, die mir persönlich am wichtigsten sind!)

Das Werk

Kurze Inhaltszusammenfassung

Hier eine kurze Zusammenfassung für den Kontext, ansonsten kann ich nur empfehlen, den Roman zu lesen oder den Anime zu schauen!

Ein Schriftsteller entschließt sich, drei Notizhefte, die ihm zugespielt worden sind, zu veröffentlichen. Es sind die hinterlassenen Aufzeichnungen eines genialen jungen Mannes, eines Comiczeichners, der schonungslos von seinem verpfuschten Leben berichtet: Frauen, Trunksucht, Drogen, Irrsinn – tatsächlich in vielem das Leben des Autors Osamu Dazai.[1]

Unterteilt ist das Werk in drei Teile, die von jeweils einem Heft mit den Aufzeichnungen des Protagonisten und einem jeweils dazugehörigen Foto repräsentiert werden, sowie Prolog und Epilog, die jeweils aus der Sicht eines dritten Erzählers in Abwesenheiten des Protagonisten erläutert werden.

Klicke hier für die ausführlichere Wikipedia Zusammenfassung der einzelnen Abschnitte.

Interpretation

Wie man unschwer bemerkt, bezieht sich jeder Teil auf einen anderen Lebensabschnitt von Oba: Kindheit, Jugend, wobei es sich eher um die späte Jugend/Studentenalter, handelt und Erwachsenenalter. Ich werde jedes Leitmotiv dementsprechend in die drei Lebensabschnitte unterteilen.

1. Leitmotiv: Umgang mit dem Anders-Sein

Während ihm bereits von Beginn an mehr als bewusst ist, dass er sich in einigen grundlegenden Dingen, welche andere Leute sozusagen als „menschlich“ ausmachen, unterscheidet, kann der Betrachter mitverfolgen, wie sich sein Umgang damit im Verlauf der Jahre wandelt.

Kindheit: Das Anders-Sein als Wekzeug

So sind seine Kinderjahre davon geprägt, die Scham vor sich selber mit Anpassung an sein Umfeld und das Erreichen eines gewissen Status oder Beliebtheit, zu überspielen, womit er dank seines selbst beschriebenen Fehlen von Empathie, welches ihm ein Level an Skrupellosigkeit zur Manipulation seiner Mitmenschen verleiht, sehr schnell lernt, seinen Mangel zu seinem Vorteil nutzen zu können. Intuitiv nimmt er zu keinem einzigen Moment die Stellung ein, dass diese Form der Charakterindividualität irgendwas anderes, als verachtungswürdig sei. Die Anpassung gibt ihm für eine kurze Zeit eine Art der Befriedigung, bis Schuldgefühle und Ekel vor der eigenen Person Oba einholen und daran erinnern, dass seine Performance, nichts weiter, als eine solche ist.

Jugend: Das ANDERS-SEIn als immerwährende last

In Obas Bemühungen, eine akzeptable Identität zu kreieren, findet er scheinbar Anschluss in der studentischen Protestbewegung, wenngleich er in dieser nicht aus Überzeugung und mit einem stets zugrundeliegenden Zynismus agiert.

In ständiger Begleitung von Depression und Erschöpfung, wird deutlich, dass er seiner Fassade leid geworden ist, da diese von Bedeutungslosigkeit geprägt ist. Zum ersten Mal erlaubt ihn seine neue, weibliche Bekanntschaft diese abzulegen, woraufhin die Lebensüberdrüssigkeit, welche sich über die Jahre in Oba angestaut hat, ungefiltert zum Vorschein kommt.

Der Abschnitt findet sein Ende im gescheiterten Doppelsuizid, welchen er als einziger überlebt und dem er zugleich den Ruf als angeblicher Mörder zuzuschreiben hat.

Erwachsenenalter: Das Anders-Sein als ewiges Gefängnis

Ein ständiges Hilfsmittel und treuer Lebensbegleiter Obas stellt sein Alkohol- und Drogenkonsum dar, welchen er zunehmend zur Bewältigung des Alltags hernimmt.

In einem letzten Versuch, einen „echten Menschen“ zu imponieren, wagt er mit einer neuen Persona, einer neuen Partnerin und einem neuen Wohnort einen wahrhaftigen Neuanfang. Bald findet er auch in seinem künstlerischen Talent eine Karrierechance und scheinbar erfüllt sich das menschliche Lebensskript des konservativen Familienlebens, bis die Illusion zerbricht, als ihn seine Vergangenheit einholt und die Affäre seiner Partnerin herauskommt.

Die Geschichte endet mit Obas Resignation vom Leben und vom Sterben, sowie der widerwilligen Akzeptanz der eigenen „Nicht-Menschlichkeit“ und einem grausamen Zustand der Unerträglichkeit der eigenen Existenz in einer Welt.

2. Leitmotiv: Das Selbstporträt

Als Sohn eines renommierten Künstlers verspürt Oba seit der Kindheit eine starke Verbindung zur bildenden Kunst, speziell die Malerei, findet jedoch wenig Zuspruch von seitens seines Vaters. Dieser ist aber alles andere, als überzeugt vom Talent seines Sohnes, da Oba eine geradezu groteske Art hat, sich in Selbstporträts auszudrücken, welche eine monsterähnliche Gestalt zeigen und für Oba die einzige Möglichkeit geben, hin und wieder seinem authentischen Selbst Ausdruck zu verleihen.

Das Selbstporträt wird im Verlauf der Geschichte immer mehr zum Symbol für die verbotene Identität des Protagonisten, die es zu beseitigen gilt. So taucht eine personifizierte Form des besagten Monsters immer in Momenten der Niederlage gegen die gesellschaftlichen Normen auf und interagiert mit Oba, wenn dieser sich in einem Zustand der sozialen Isolation befindet, was gleichzeitig die Abspaltung von seiner selbst-verabscheuenden Identität und den künstlich erschaffenen Personas symbolisiert. Das zeigt sich auch in dem Wandel, den Oba in jedem der drei Abschnitte durchläuft, in seinem Umgang mit dem „Nicht menschlich sein“, der irgendwo mit jedem Abschnitt polarisierter wird.

Kindheit: Selbstreflexion –> Abgrenzung

Das Kreieren des monsterhaften Selbstbildnisses steht metaphorisch für die Erkenntnis des jungen Obas, dass er sich in seiner Wesensart von seinen Mitmenschen unterscheidet, bedingt durch die strikten gesellschaftlichen Normen jedoch intuitiv ablehnt und zu vertuschen versucht. Irgendwann entsteht eine klare Grenze zwischen seinem Inneren (dem Selbstporträt) und seiner Maske (seine menschliche Form, wie sie von anderen wahrgenommen wird).

Jugend: Verdrängung –> Hingabe

Das Monster, vor dem er zu flüchten versucht, manifestiert sich langsam als eine Art Eigenexistenz, mit der Oba möglichst wenig zu tun haben möchte. Nachdem seine Energieressourcen aufgebraucht sind und mit dem Plan des Doppelsuizides eine Aussicht auf Erlösung auftaucht, scheint er sein Dasein als nicht menschliche Gestalt zum ersten und letzten Mal tatsächlich als Teil seiner Selbst ohne Abscheu hinzunehmen.

Erwachsenenalter: Ablehnung –> Resignation

Nach einem vernichtenden Psychiatrieaufenthalt folgt eine psychotische Auseinandersetzung mit dem Monster, welches sich inzwischen durch und durch in Obas Realität manifestiert hat. Symbolisch schickt er die Gestalt weg, als er den Beschluss fasst, einen Neuanfang als „echter Mensch“ zu beginnen und hat, solange die Fassade stabil steht, keine weiteren Begegnungen damit.

Erst, als die Maske zu bröckeln beginnt und die Illusion zerfällt, kehr das Monster zurück und wird von Oba im Zustand der Resignation als einziger Begleiter akzeptiert. Da er einsieht, dass er seinem wahren Selbst nicht länger entkommen kann, wird er nun endlich zu demselben Monster, wovon er sein Leben lang weggelaufen ist.

3. Leitmotiv: Lächeln

Das Lächeln, welches im Laufe der Geschichte langsam schwindet und am Ende aufhört, zu existieren, symbolisiert nicht nur die Menschlichkeit, die Oba bis zuletzt versucht zu erlangen, sondern auch Obas Hoffnung auf eine zwischenmenschliche Verbindung, der Akzeptanz von seiner Umwelt und dem Versuch, seiner Selbst zu entkommen.

Obwohl für Oba, dem der Akt des Lächelns absolut nicht intuitiv ist, kann er diesen trotzdem relativ schnell als zwischenmenschlichen Konsens im Ausdruck der Freude oder Bestätigung identifizieren.

Kindheit: Fake it, ‚till you make it

Wie bereits im ersten Leitmotiv hervorgehoben, benutzt Oba seine Fähigkeit, menschliches Verhalten zu imitieren, als Werkzeug, um sich an seine Umwelt anzupassen. Es wird immer wieder beton, dass es ausgerechnet sein Lächeln ist, das von seinen Mitmenschen am meisten begehrt und gepriesen wird, obwohl für Oba das vermutlich als Kind der künstlichste Aspekt seiner Kommunikation ist.

Jugend: Authentisches Equivalent

Da Lächeln ja gleichzeitig ein Zeichen der gekünstelten Fassade, aber auch der Hoffnung auf ein zwischenmenschliches Verständnis ist, ist dieser Teil quasi ein Übergang von der kindlichen Verachtung von allem, was „menschlich“ ist, zu einem aus der Erschöpfung und wachsenden Lebenserfahrung resultierendem Wunsch nach Akzeptanz, der seinen Höhepunkt in der Nacht des Suizides findet. Obwohl das Lächeln spürbar abgenommen hat im Vergleich zur Kindheit, hat man den Eindruck, dass er in seiner Interaktion mit seiner weiblichen Bekanntschaft und der Art, wie er sich ihr gegenüber verhält, eine authentischere Art für ihn darstellt, jene positiven Emotionen auszudrücken, die ein gewöhnlicher Mensch mit einem Lächeln zeigen würde.

Erwachsenenalter: Verlorene Hoffnung

Nachdem die Familienidylle ihr Ende findet, wird das Verschwinden des Lächelns unumgänglich, da weder das Bedürfnis oder die Notwendigkeit nach einer Maske übrig bleibt, noch die Hoffnung, dem inneren Monster jemals zu entkommen. Zynischerweise scheint es aus Obas Sicht an diesem Punkt in seinem Leben entweder Authentizität, ODER Akzeptanz und Hoffnung zu geben, jedoch niemals beides zur selben Zeit und so ist er gezwungen sich der grausamen Einsamkeit der authentischen Hölle hinzugeben, in der sein inneres Monster im Einklang in einer Welt ohne Lächeln fortbestehen kann.

4. Leitmotiv: Zwischenmenschliche Beziehungen

Oba ist von klein auf geprägt von seinem Defizit an sozialer Intuition und durchläuft unterschiedliche Phasen im vergeblichen Versuch, dieses Defizit entweder auszugleichen oder es zu seinem Vorteil zu nutzen. Auch die Arten der zwischenmenschlichen Beziehungen, die er im Verlauf seiner Lebens anstrebt, erleben mehrere Formen des Wandels und enden nichtsdestotrotz in einer unumgänglichen Einsamkeit.

Je tiefer er sich auf einen anderen Menschen einlässt, desto tiefer fällt er, wenn diese Beziehung auseinander bricht. Interessanterweise scheint er jedoch weder familiären, noch freundschaftlichen Beziehungen großen Wert zuzuschreiben und lediglich im romantisch-sexuellen Kontext nach tieferer, sozialer Bindung zu suchen, wie man beispielsweise an der Beziehung mit seinem Vater gut erkennen kann. Jedoch kann man nicht ausschließen, dass dies keine angeborene Tendenz, sondern viel mehr ein Resultat seiner autoritären, unpersönlichen Erziehung sein könnte.

Im Kontrast zur sozialen Interaktion steht seine Beziehung mit dem inneren Monster, wie im Leitmotiv vom Selbstporträt erläutert, und somit der immer wiederkehrende Rückfall in die Isolation.

Kindheit: Sex

Wenngleich der sexuelle Unterton in Obas jungem Alter zu dem Zeitpunkt in der Geschichte fragwürdig erscheint, ist diese Art der zwischenmenschlichen Beziehung eine sehr oberflächliche. Sie ist der Ausdruck seines kindlichen Verständnisses dafür, wie man auf die für ihn offensichtlichste Art und Weise eine Form der Akzeptanz findet. Dank seiner hohen Intelligenz findet er schnell heraus, welche Persona in der Frauenwelt am besten ankommt und ist in der Lage, dies in einer nahezu perfekten Ausführung umzusetzen.

Jugend: Partnerschaft

Mit seiner Suizid-Partnerin erfährt Oba zum ersten Mal richtige Intimität, welche über Sex hinausgeht, da sie mit ihrer eigenen, tragischen Lebensgeschichte Oba einen Eindruck dafür gibt, wie es sich anfühlt, verstanden zu werden. Ihre kurze Beziehung ist vermutlich das, was einer intimen Partnerschaft am nächsten kommt. Das Besiegeln dieser Partnerschaft im gemeinsamen Tod wirkt in dem Kontext fast schon romantisch, umso größer ist die Enttäuschung, als er alleine lebend aus der Sache herausgeht, erneut in Gefangenschaft mit sich selbst und seinem neu erlangten Ruf als Mörder, der angeblich die Frau in den Tod geschubst haben soll, der ein neues Level an sozialer Ausgrenzung von seinem Umfeld mit sich zieht.

Erwachsenenalter: Familie

Mit seiner neuen Partnerin spielt Oba Familienidylle und scheint für sich selbst eine Normalität aufzubauen, welche ihm ermöglicht, zu einem gewissen Grad einige Teile seiner Individualität, wie das Zeichnen und die Kunst, auszuleben. Seine Partnerin gibt ihm Sicherheit, wenn diese Beziehung auch eher funktional, als emotional erscheint und auch mit dem Bild des jungen Stiefvaters, das er kreiert, wirkt es so, als könne er seinen Ruf als Frauenmörder doch ablegen.

Da ihm für menschlicher Kontakt nach wie vor nicht intuitiv ist, kann er diese Fassade nur mithilfe des Rauschmittelkonsums realisieren, was zu wiederholten Konflikten mit seiner Partnerin führt.

Die Illusion platzt schnell, als er erfährt, dass er seinen beruflichen Erfolg nicht etwa seinem Talent zu verdanken hat, sondern der sexuellen Affäre seiner Partnerin mit dem Verleger, für den er arbeitet. Endgültig bricht seine Welt zusammen, als dieser seine Frau in Obas eigener Wohnung vergewaltigt und ihn nicht nur quasi emaskuliert, sondern ihn in seinem kompletten Selbstbild, das er so mühsam aufgebaut hat, wortwörtlich ent-täuscht, was Oba den finalen Anlass zur endgültigen Resignation gibt.

Fazit

Nehme man die Zeit und den Ort des Geschehens aus der Gleichung raus, so bleibt eine immerwährende Geschichte eines unverstandenen Menschen übrig, der im Kampf zwischen dem Individualismus und dem Kollektivismus an seinem Selbsthass zerbricht. Auch in unserer modernen Gesellschaft herrscht der Druck, sich lediglich in einem begrenzten Rahmen als Individuum verwirklichen zu dürfen, was zur Ausgrenzung jener führt, die nicht in eine Box passen. Die Grenze zwischen exzentrisch und inakzeptabel scheint oft schleichend zu sein und diese nicht zu überschreiten ist häufig für die Betroffenen mit enormer Anstrengung verbunden, was im besten Fall verhindert, dass Potenzial ausgeschöpft und Talent ausgelebt wird und im schlimmsten Fall zum Verlust des Selbst, schwerwiegenden, psychischen Problemen oder gar Suizid führt. Es liegt an uns, als Gesellschaft, das Stigma des Anders-Seins abzubauen und Menschen mit Toleranz und Respekt zu begegnen, unabhängig davon, wie gesellschaftskonform sie auftreten mögen. Denn ohne diejenigen, die durch ihre Einzigartigkeit Ideen in die Welt setzen, wäre Fortschritt kaum vorstellbar. Schlussendlich ist es doch eigentlich die Vielfältigkeit in Perspektiven und Persönlichkeiten, die die Menschheit als solche erst ausmacht und ihr ihre Schönheit verleiht.


[1] Zusammenfassung von Thalia

Absurde Trivialitäten [PART 1]

Wer kennt sie nicht, die kleinen, subtilen Situationen des Alltags im Umgang mit anderen Leuten, bei denen man einfach jedes Mal mit dem Kopf schütteln könnte. „Dabei wäre es so viel einfacher, wenn …“, denk man sich jedes Mal, wenn sein Gesprächspartner auf eine total unverständliche Weise auf einen reagiert. Und trotzdem sind wir irgendwie alle zu einem gewissen Grad Jener schuldig.

Leider reicht es nicht, im Internet „FUCK THE SYSTEM!“ kundzugeben, um ein gegenseitiges Verständnis mit seinen Mitmenschen aufzubauen, deshalb habe ich 5 Mysterien der menschlichen Verhaltenspsychologie, mit denen ich persönlich am wenigsten was anfangen kann, nach Nervigkeit, Verwirrung, Stresslevel und Unnötigkeit in einem 5-Sterne System bewertet, verglichen und anschließend in eine Top-5 Liste gepackt! Selbstverständlich, als der Armchair Psychologe, der ich bin, konnte ich nicht anders, als mir zu jedem Punkt eine potentielle Erklärung aus dem Arsch zu ziehen, welche gerne hinterfragt werden darf!

Disclaimer: Das ist wieder mal nur meine subjektive Meinung und dient nur der Unterhaltung!

Die Charaktere:

Um alles ein bisschen anschaulicher zu gestalten, gibts zu jedem Punkt einen Comic Strip. Die mit dem Dutt bin ich und mit den offenen Haaren ist eine Beispiel Person, welche ich im Folgenden als BP abkürzen werde.

An diejenigen, die mich persönlich kennen: Es soll niemanden von euch konkret darstellen! Ebenfalls sind diese Comics nur verallgemeinerte Karikaturen von Verhaltensarten, die mir bei verschiedenen Leuten generell aufgefallen sind.

Also bitte nicht zu ernst nehmen! 😉

Bewertungsskala in ⭐️

Nervigkeit: Wie sehr nervt mich, wenn das passiert?
(0: gar nicht; 5: extrem)

Verwirrung: Wie sehr bringt mich sowas aus dem Konzept?
(0: gar nicht; 5: extrem)

Stresslevel: Wie viel Stress verursacht das bei mir?
(0: gar keinen; 5: extrem viel)

Unnötigkeit: Wie unnötig finde ich das?
(0: gar nicht; 5: extrem)

Platz 5: Starren und Schweigen

Die Situation:

Man schweigt und starrt, starrt und schweigt und wartet, bis BP den Anfang macht, doch es kommt einfach nichts. Dabei hieß es noch vor 10 Minuten: „BP will mit dir dringend sprechen!„… Alles klar …

Typisches Setting:

Erstaunlicherweise oft im Umgang mit sog. Autoriätspersonen, wie Dozenten, Ärzten, usw.
Oder wenn der Andere beleidigt ist.

Mein Problem damit:

Warum muss ich denn ein Gespräch initiieren, wenn ich selber überhaupt nichts zu sagen habe? Wird von mir erwartet, intuitiv zu wissen, was der Andere will? Hab ich was verbrochen? Ist BP sauer? Oder hab ich mal wieder was nicht mitbekommen? Ich bin doch kein Gedankenleser! Sowas verunsichert mich nur und kostet unnötig viel Zeit.

Was imo sinnvoller wäre:

Einfach sagen, was los ist, Duh.

Armchair Psychology Explains:

Also entweder ist das irgendein Ausdruck der Unsicherheit, eine Art Machtspielchen oder es wird echt erwartet, dass ich Gedanken lese…Ach, was weiß ich…Wenn Einer dieses Mysterium gelöst hat, bitte lasst es mich wissen!

Platz 4: Unterbrechende Besserwisser

Die Situation:

Schon allein als isolierte Instanz ist unterbrochen zu werden sehr irritierend, aber irgendwie auch sehr menschlich, also ist es ja nicht so schlimm … es sei denn, BP meint auf einmal, sich einbilden zu müssen, einen gar nicht mehr ausreden zu lassen, weil „eh klar ist, was man sagen wollte„. Mit voller Überzeugung beginnt BP daraufhin eine Aussage auseinanderzunehmen, die es nie gegeben hat.

Typisches Setting:

Je kontroverser das Thema und je polarisierter die Meinungen, desto höher ist die Besserwisser-Quote!

Mein Problem damit:

Erklärt sich von selbst, denke ich. Plus, es macht den Gesprächsfluss kaputt! Und es ist unhöflich.

Was imo sinnvoller wäre:

Ausreden lassen wäre nett! Vielleicht auch weniger defensiv sein, wenn man darauf hingewiesen wird.

Armchair Psychology Explains:

Hat vielleicht was mit der Impulskontrolle der Person zu tun. Oder es ist einfach ein Besserwisser.

Platz 3: „It’s my way or the high way!“

Die Situation:

Erst ungefragt die eigene Meinung als einzig mögliche Wahrheit rausposaunen und dann beleidigt sein, wenn diese nicht angenommen wird, als wäre das ein persönlicher Angriff.

Typisches Setting:

Bevor das jetzt jemand falsch versteht, ich meine hiermit AUSSCHLIEßLICH Situationen, wo die einzige Begründung ist „Aber ICH mache das anders!“. Wenn es um Skills geht, bei denen der Andere einfach mehr Ahnung hat, oder er mir legitim erklären kann, warum es eine bessere Methode gibt, sehe ich überhaupt kein Problem damit. Zumal sind diese Leute meistens auch nicht sofort beleidigt, wenn ich ihre Tipps nicht annehme.
Währenddessen sind diejenigen, die ich hiermit meine, scheinbar nicht in der Lage, nachzuvollziehen, warum ich mich über sowas austauschen wollen würde, wenn ich keine weisen Ratschläge vom Meister höchstpersönlich hören will.

Mein Problem damit:

Niemand hat nach deiner Meinung gefragt, BP!
Warum fühlen sich manche Menschen sofort angegriffen, und werden richtig butthurt, wenn man ihre Vorschläge anlehnt? Ist das denn so absurd, einfach von seinen Plänen erzählen zu wollen?

Was imo sinnvoller wäre:

Seine persönliche Erfahrung zu teilen ist ja schön und gut, aber vielleicht sollte man im Kopf behalten, dass unterschiedliche Ansätze sehr wohl friedlich nebeneinander koexistieren können, ohne, dass es ein „Richtig“ oder „Falsch“ geben muss. Es ist auch viel leichter, jemanden zum Zuhören zu bewegen, wenn man den rechthaberischen Ton ein bisschen runterschraubt.

Armchair Psychology Explains:

Auf mich wirken solche Leute immer so, als hätten sie Probleme mit ihrem Ego, in welcher Form auch immer.

Platz 2: Hauptsache Widersprechen

Die Situation:

Man redet über ein Thema, worüber man sehr viel weiß, wird aber andauernd unterbrochen, hinterfragt und angezweifelt wird, nur, um dann festzustellen, dass BP überhaupt nicht weiß, wovon er redet und einfach widerspricht des Widersprechens willen.

Typisches Setting:

Diskussionen über Themen, wo ich mich gut auskenne.

Mein Problem damit:

Ich empfinde diese Atmosphäre als extrem toxisch und tatsächlich habe ich beobachten können, dass es bei mir die klassischen, körperlichen Stresssymptome auslöst, wie erhöhten Herzschlag, Anspannung der Muskeln, schnellere Atmung, usw. und um ehrlich zu sein, ist es mir einfach nicht wert, da ich in den meisten Fällen nicht einmal etwas daraus mitnehmen kann.

Was imo sinnvoller wäre:

Subjektive Meinungen auch als solche formulieren, anstatt stundenlang eine Position auszudiskutieren, die lediglich in unbelegten Annahmen fundiert ist. Ich bestreite ja nicht, dass die „Friedlich-ausreden-lassen-und-Fragen-stellen“–Methode manch Einem heftige Grundschul-Vibes verleihen kann, aber sollte es nicht eigentlich das Ziel von Beiden sein, das eigene Wissen zu erweitern und nicht, eine Diskussion zu gewinnen?

Armchair Psychology Explains:

Anscheinend gibt es einfach Menschen auf dieser Welt, die diese Art des Informationsaustausches bevorzugen, warum auch immer.

Platz 1: Special Snowflake

Die Situation:

Man beginnt, sich emotional zu öffnen, teilt intime Details aus seinem Leben, dann traut man sich endlich, dieses eine sehr persönliche Problem anzusprechen, das man gerade hat oder mal hatte und wird abgewürgt mit einem Spruch, wie:
„Das Leben ist halt so, alle anderen kommen ja auch damit klar!“
Sollte man widersprechen, versucht BP einen umso mehr davon zu überzeugen, dass man falsch liege, bis man nachgibt und die Lust daran verliert, weiter darüber zu reden.

Typisches Setting:

Oft bei Mental Health Topics, aber allgemein bei jeder Sorte von Problemen.

Mein Problem damit:

Erstens, Probleme sollten kein Wettbewerb sein!!! und nur, weil andere auch leiden, leidet man davon nicht weniger.
Zweitens fühlt es sich für mich immer sehr diskreditierend und trivialisierend an, weil es in meinen Augen impliziert, ich würde sozusagen viel Lärm um nichts machen.
Drittens sorgt es für Verwirrung und bringt mein Konzept von Normalität durcheinander. Außerdem macht es wenig Sinn, subjektive Erfahrungen anzufechten, wenn man nicht den vollen Kontext hat.

Was imo sinnvoller wäre:

Ich denke, dass es prinzipiell gar nicht so verkehrt ist, in manchen Dingen hinterfragt zu werden, da es ja auch hilfreich für die eigene Selbst-Reflexion ist. Aber die Art und Weise, wie man sowas rüberbringt, macht enorm viel aus! Anstatt sich einfach das Recht rauszugreifen, darüber zu urteilen, wo eine subjektive Erfahrung auf der Skala der gesamten Menschheit einzuordnen wäre, könnte man einfach nachfragen, warum der Andere so empfindet.

Armchair Psychology Explains:

Mir wurde gesagt, dass angeblich Leute versuchen, einem das Gefühl zu geben, dass man nicht alleine mit seinem Problem ist. Zwischen welchen Zeilen das allerdings GENAU steht, kann ich bei bestem Willen nicht sagen, für mich klingt das nur herablassend.
Ich kann mir auch vorstellen, dass einige Menschen es als arrogant ansehen, wenn man von sich selbst behauptet, man sei anders als die Anderen.

Tribute

The greatest *resignation letter* in the world
– Tenacious D –

Heute habe ich mich an den Tag erinnert, an dem ich mein schlimmstes Arbeitsverhältnis gekündigt hatte. Passend dazu gab es auch ein angemessenes Kündigungsschreiben. Normalerweise sind Briefe dieser Sorte nicht spannender, als Werbung vom Aldi: generische Floskeln, die jemand aneinandergereiht hat, um einen friedlichen Abgang hinzulegen. Jedoch war diese eine, ganz besondere Kündigung, meine erste Ausnahme, bei der ich meine ganze Frustration und Wut konzentriert und zu einer Buchstabensuppe à la Kündigungsschreiben verarbeitet hatte, nachdem alle Höflichkeitsmaßnahmen kläglich versagt hatten .

Ich habe die Namen/Orte/Details verändert, sodass keine personenbezogenen Daten erkannt werden können, also ist das vielleicht eher ein Tribut an die Kündigung….

♬ ♫ ♩ ♪♩♬

This is not the greatest *resignation letter* in the world, no...

This is just a tribute!

(Tribute von Tenacious D)

 Sehr geehrte "Egozentrische Ausbeuter " GmbH,

Hiermit trete ich, aufgrund von psychischer Belastung, von sämtlichen mit mir assoziierten Verbindlichkeiten am Projekt "LeCk mIcH aM aRsCh!!!!!!!" zurück.

Diese konkreten Perversionen musste ich bei Ihnen ertragen:
  -> Spontane Dimensionssprünge in Ihrer Erinnerung an meinen Aufgabenbereich  
  -> Verwechseln von "Gehalt" mit Monopoly Geld
  -> Daraus resultierende, Monopoly bedingte, Gefühlsausbrüche
  -> Von Rednecks inspirierter Umgang mit den Arbeitnehmern
  -> Rhetorischer Analphabetismus 

Da die Diskrepanz zwischen "Egozentrische Ausbeuter" GmbH's Ansprüchen an meine unbezahlte Arbeit und dem tatsächlich mit mir vereinbarten Verantwortlichkeitsbereich, scheinbar in parallelen Universen existierte, möchte ich mich hiermit nochmal ausdrücklich von besagten Aufgaben distanzieren.
Da bereits in der Vergangenheit Konflikte auf wundersame Weise erschienen sind, wo zuvor keine waren, sehe ich wirklich keine weitere Alternative, als von meiner Position zurückzutreten.
In jeglichen Bereichen, in welchen ich mit "Egozentrische Ausbeuter" GmbH in Kontakt gekommen bin, konnte ich mit Staunen beobachten, wie inadäquate Arroganz, kombiniert mit der richtigen Portion Selbstgefälligkeit, ein Ausmaß an Unprofessionalität erschaffen konnte, welches ich nicht mal meinen fiktiven Charakteren wünschen würde.
Sollte "Egozentrische Ausbeuter" GmbH das Handwerk des verbindlichen, schriftlichen Arbeitsvertrags jemals meistern, so wäre ich bereit, meine Dienste als Freelancer nochmal zur Verfügung zu stellen. 
Bitte stellen Sie mir keine Fragen und nehmen die oben erwähnten Punkte als konstruktive und ein wenig herablassende Kritik, danke.

Mit unfreundlichen Grüßen,
 

♬ ♫ ♩ ♪♩♬

It didn’t actually sound anything like this *resignation letter*!

This is just a tribute!

You gotta believe me,

And I wish you were there,

Just a matter of opinion.

(Tribute von Tenacious D)

Nun ja, hab ich tatsächlich solche Formulierungen benutzt? Nicht ganz. Aber der Ton kam wohl so hin. Dass mich ein Arbeitgeber derart provoziert hat, dass ich eine solch passiv-aggressive Schiene gefahren bin, sticht alle Mal als Highlight meiner beruflichen Laufbahn hervor und wird hiermit als solches gewürdigt. Amen.

Cogito/Credo/Scio ergo sum.

Gibt es einen höheren Sinn im Leben? Wie funktioniert die Welt? Warum haben wir ein Bewusstsein und gibt es einen freien Willen? (Hallo Ethikbuch aus der 5ten Klasse!)

Diese und ähnliche Fragen ziehen sich durch die Menschengeschichte durch, wie ein roter Faden und prägen jede Kultur, sowie Religion, bilden die Grundlage für die Konzepte der großen Philosophen, bereiten uns schlaflose Nächte oder füllen das eine oder andere „tiefsinnige“ Kiffergespräch. Wie man es auch betrachten möchte, haben alle Ansätze die Gemeinsamkeit, dass sie von der Überzeugung derer Anhänger leben.

Cogito ergo sum – Ich denke, also bin ich.

Wer hat ihn noch nicht gehört, den bekannten ersten Grundsatz von René Descartes, der die Grundlage für viele philosophische Ansätze bildet. Der ewige Konflikt aller Existenzkrisen und die scheinbar einzige Gewissheit, die uns irgendwo im großen und weiten Meer der existenziellen Unstimmigkeiten bleibt.Ich gehe mal kurz in der Zeit zurück und erinnere mich daran, wie meine aller erste Existenzkrise als Kind, das Fenster des Zweifelns für mich eröffnete. Es war die Nacht vor meinem Geburtstag und diese war stets, so wie für die meisten Kinder, eine schlaflose. Gefüllt von Aufregung und Vorfreude ließ ich meinen Gedanken freien Lauf, denn an Schlaf war schließlich eh nicht zu denken, was mich irgendwann auf die Fragestellung stoßen ließ, was es wohl zu bedeuten hatte, dass ich jedes Jahr älter wurde, aus der sich kurz darauf die Realisation formte, dass ich das abstrakte Konzept von Zeit eigentlich überhaupt nicht richtig greifen konnte. Zu dem damaligen Zeitpunkt war das Konzept der Vergänglichkeit des Lebens noch nicht etwas gewesen, was für mein kindliches Selbst irgendeine Relevanz haben sollte. Vermutlich war es die Mischung aus meinen sprudelnden Emotionen und meinem sich langsam manifestierenden Verständnis für gewisse Zusammenhänge in der Welt, welche der Katalysator dafür war, dass mein erster Mindblow wie eine Atombombe in meinem Kopf einschlug und mir zum ersten Mal in meinem Leben eine Geschmacksprobe dafür gab, wie klein ich, im Vergleich zum großen Universum, bin.

Kurze Randnotiz: Ich sollte hinzufügen, dass ich ein extrem visueller Denker bin. Ich bin mir nicht sicher, ob das so ein Neurodiversitäts-Ding ist, oder einfach etwas Ich-Spezifisches, ist ja auch unwichtig. Jedenfalls, während die meisten Leute, mit denen ich darüber geredet habe, sozusagen in Sprache/Wörtern/Sätzen denken, habe ich (bewegte) Bilder vor meinem inneren Auge, welche ich, falls die Notwendigkeit auftritt, meine Gedanken in irgendeiner Form zu kommunizieren oder nach außen zu tragen, in Sprache übersetze, jedoch nicht, wenn ich für mich selbst denke oder Konzepte gedanklich ausarbeite. Diese Information ist wichtig, um zu erklären, was in mir vorging, als ich meinen ersten Mindblow erlebt hatte.

Zurück zu meiner Geschichte… Während ich versuchte, Zeit als Solche für mich greifbar zu machen, passierten zwei Dinge:
A) auf jede Antwort, die ich mir selbst gab, kamen zig neue Fragen ohne Antwort obendrauf und auf jede einzelne davon kamen zig Folgefragen. Ich spürte förmlich, wie sich das Zelt der Ungewissheit in über meine innere Welt legte und in exponentieller Geschwindigkeit expandierte, während sich messerscharf herauskristallisierte, wie mein bewusstes Sein sich gleichzeitig wie alles und nichts anfühlte. Alles, im Sinne von, meine einzige Gewissheit, Sicherheit, Ankerpunkt und Fundament meiner Persönlichkeit. Nichts, im Sinne von, unbedeutend im großen Bild, nur ein Fragment, welches in Abhängigkeit zur linearen Zeit und zu äußeren Umständen existiert und von Weitem betrachtet bedeutungslos erscheint.
B) das Bild in meinem Kopf zu der Frage, was Zeit ist und wie sie funktioniert, nahm immer komplexere Formen an und verwandelte sich in eine vernetzte Struktur von Ideen, Fragen, Annahmen und möglichen Antworten kombiniert mit meiner persönlichen Wahrnehmung und dem, was ich zu dem Zeitpunkt bereits darüber gelernt hatte. Ich denke, es hat in etwa 10 Jahre gedauert, bis ich in der Lage war, dieses Bild so in Sprache zu übersetzen, dass ich anderen halbwegs verständlich erklären konnte, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Ich wäre nicht überrascht, wenn dieses Ereignis seinen Teil dazu beigetragen hat, dass diese ganze Zeit-Thematik, oder allgemein Science-Fiction, zu einem großen Interessengebiet von mir wurde und immer noch ist.

Credo ergo sum – Ich glaube, also bin ich.

Was der sich Atheist mit Wissenschaft, der Esoteriker mit Energien, der Christ mit Gott, usw. erklärt, stößt im Dialog früher oder später auf die Grenze zwischen dem Wissen und dem Glauben. Unabhängig vom Grad des eigenen Skeptizismus, bildet die Fähigkeit, bestimmte Dinge, ohne einen eindeutigen Beweis, für sich selbst als „wahr“ zu definieren, das Fundament eines jeden Weltbilds und kann sich individuell mal mehr, mal weniger, unterscheiden.

Auch ich durchlebte im Laufe meiner Existenz auf dieser Welt so einige Perspektivenwandel und würde das Formen meines eigenen Weltbilds als lebenslangen Prozess des Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung bezeichnen. Obwohl ich meine Grundschulzeit auf einer sehr religiösen Schule verbracht hatte, konnte ich mit dem Konzept des Glaubens noch nie viel anfangen, was mich relativ früh zum Agnostizismus, dann Atheismus und später zu einer Form von Nihilismus geführt hatte, was jedoch keineswegs bedeuten soll, dass ich den Glauben als nicht wertvoll oder gar dumm bezeichnen würde, denn auch im Streit nach der Wahrheit, ist nicht zu leugnen, welch enorme positive Auswirkungen der Glaube auf Menschen haben kann. Mein innerer Glaubenskonflikt ist viel mehr davon geprägt gewesen, Gegebenheiten ausschließlich nach ihrer Logik bewerten zu wollen und dementsprechend Aussagen, welche mit subjektiven Meinungen begründet sind, auch bei besten Willen nicht als valide betrachten zu können.

Bis vor ca. einem Jahr war Spiritualität, obwohl ich ihr gegenüber auch nicht unbedingt abgeneigt war, nie Teil meines Lebens gewesen. Der Perspektivenwandel begann, als ich meine Sicht auf den Glauben als Bedingung für Spiritualität über Bord geworfen habe, zumindest für mein persönliches Weltbild. Anders gesagt, habe ich für mich selbst entschieden, dass an etwas zu Glauben keine Voraussetzung dafür sein muss, bestimmte Dinge zu praktizieren, solange sie mir oder anderen keinen Schaden zufügen, oder in bestimmte Richtungen zu denken, im Bewusstsein, dass Meinungen nicht endgültig sein müssen, denn einem Gedankengang nachzugehen und diesen dann wieder zu verwerfen bringt definitiv mehr Lernpotenzial mit sich, als sich stur auf eine feste Meinung festzuklammern und in seiner Entwicklung zu stagnieren. Der Zugang zu meiner persönlichen Spiritualität kam dann ganz automatisch, auch wenn ich ihn nicht unbedingt irgendeinem bestehenden Konzept zuschreiben würde. So nach dem Prinzip:

Ich kann nicht sagen, was es gibt, nur, dass es was gibt. Der Rest entspringt meiner individuellen Weltwahrnehmung, sowie Bildsprache und dient in erster Linie dazu, mir selbst die Welt erklären zu wollen.

– Mein aktueller Standpunkt zur Spiritualität –

In diesem Prozess fand ich auch meine Begeisterung für das Erstellen von Modellen und Konzepten wieder, was mich zur Philosophie führt. Zugegebenermaßen hatte mir der Ethikunterricht in der Schule damals für sehr lange Zeit den Geschmack an Philosophie als Ganzes verdorben, wie das halt so ist mit unserem guten alten Schulsystem. (Aber das ist vermutlich ein Thema für ein anderes Mal.) Auf jeden Fall realisierte ich plötzlich, dass im Grunde gesehen, von der alten Schule bis hin zu zeitgenössischen Ideen, „Die Existenz des Menschen“, „Die Dynamik und Funktion der Gesellschaft“ und „Die Frage nach dem Sinn und Ursprung“, wenn man es kurz zusammenfassen möchte, die drei Grundsteine der Philosophie darstellen und das, was irgendwann in Lehrbüchern endet, nicht mehr ist, als unterschiedliche Versuche, das Sein in seiner Essenz erklären und/oder beschreiben zu wollen. Metaphern und Verbildlichungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Müssen diese Konzepte immer der Wahrheit entsprechen? Gewiss nicht, denn wie bereits festgestellt, sind wir als menschliche Wesen (noch) nicht in der Position, diesbezüglich eine klare Aussage zu treffen. Trotzdem ist es genau diese Vielfalt an individuellen Ideen, welche uns als Menschen an uns selbst wachsen lässt und damit die gesamte Disziplin der Philosophie interessant macht.

Scio ergo sum – Ich weiß, also bin ich.

Man kann natürlich nur rätseln, wie viel von dem, was uns die alten Philosophen hinterlassen haben, tatsächlich ihrer vollen Überzeugung entsprach und was einfach nur die Ausarbeitung von Konzepten und Ideen war, denn man sollte auch immer im Kopf behalten, dass jeder Mensch in seiner Lebenszeit geprägt von seiner zeitgenössischen Gesellschaft ist, sei es nun der generelle Wissensstand der Menschheit oder der kirchliche Einfluss in der Gesellschaft.

Vor allem aber sollte man nicht vergessen, dass auch Sprache immer im Kontext ihrer Zeit interpretiert werden sollte, wie beispielsweise bestimmte Wörter einen Wandel in ihrer Bedeutung erleben und man manchmal einfach beachten sollte, dass das, was wir heute unter Wort XY verstehen, nicht zwangsläufig das Selbe ist, was XY vor 100 Jahren bedeutet hat. Manchmal sind es lediglich Nuancen, doch in anderen Fällen ändert sich die gesamte Aussage, aber das nur so nebenher gesagt.

„Wissen“, wenn man es genau nimmt, kann in meinem Verständnis folgendes bedeuten: Entweder alles, was darauf basiert, was im allgemeinen Konsens der Menschheit als objektive Wahrheit akzeptiert wird (z.B. „Ich weiß, dass der Himmel blau ist!“), oder alles, was aus der individuellen Perspektive des Einzelnen so wahrgenommen wurde und somit eine subjektive Wahrheit darstellt (z.B. „Ich weiß, dass ich Honigmelone eklig finde!“). Das einzige absolute Wissen wäre dann wohl, dass es dem Menschen (noch?) nicht möglich ist, etwas absolut zu wissen („Ich weiß, dass ich nichts weiß.“).

Es lässt sich also nicht vermeiden, dass jedes philosophische Erklärungsmodell, ganz gleich, wann oder von wem dieses aufgestellt wurde, zwangsläufig von dem Einfluss seiner Zeit geprägt ist. Soll das also bedeuten, dass ein Modell aus einer vergangenen Ära irgendwann zur Märchenstunde ohne Realitätsbezug wird? Nun ja, das kommt wohl darauf an, wie man es betrachten möchte. Offensichtlich werden bestimmte Dinge früher oder später einfach nicht mehr aktuell sein und werden dementsprechend auch keine Anwendung mehr für das moderne Leben finden. Zumindest, wenn man sie zu wörtlich nimmt. Wie heißt es so schön in „V for Vendetta“:

Man sagt uns wir sollen der Idee gedenken und nicht des Mannes. Denn ein Mensch kann versagen. Er kann gefangen werden. Er kann getötet und vergessen werden. Aber 400 Jahre später kann eine Idee immer noch die Welt verändern.

V aus V for Vendetta

Sei es der Schöpfungsmythos aus dem alten Testament oder die Ideenlehre von Platon, sind es letztendlich nicht alles Geschichten und Überlieferungen von Ideen, für Menschen, von Menschen, welche im Strom ihrer Zeit das Sein aus den unterschiedlichsten Perspektiven zu beschreiben versuchen? Und ist nicht der alleinige Wandel des Konsens‘ über das objektive Wissen im Laufe der Menschengeschichte irgendwie ein Statement für sich, welches immer in seiner Zeitlosigkeit bestehen bleiben wird?

Sum ergo sum – Ich bin, also bin ich?

Irgendwo in diesen ganzen Gedankengängen verschwimmt scheinbar die Grenze zwischen objektiv und subjektiv, zwischen Wahrheit und Wahrnehmung, zwischen Glauben und Wissen, oder wie auch immer. Im Sinne des Rechts eines jeden Menschen auf die freie Entfaltung der religiösen, spirituellen und intellektuellen Identität, ergibt die Quantität der einzelnen Weltbildfragmente vielleicht irgendwann mal ein ganzes Bild, mit dem wir was anfangen können und wenn wir schon bei Quantität sind, macht es für die Gesamtheit eines Quantenzustands doch eh keinen Unterschied, wie wahrscheinlich Konzept XY eines einzelnen Betrachters ist, von daher ist das, was wichtig ist, das Sein an sich und den Rest bringt das Leben.

Ich mache jetzt auch VOCALOID Songs auf YouTube

Gestern hatte ich endlich meinen ersten VOCALOID Song fertig gestellt und mir dann gleich mal einen YT Channel erstellt und das Ding hochgeballert!

Wens interessiert, ich hab VOCALOID 5 benutzt, nämlich die Stimme von Kaori und hab den bekannten russischen WW2 Song „Катюша / Katyusha“ gecovert.

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Quantenphilosophischer Lifestyle

An alle, die sich vom Begriff der Quantenphysik oder Relativitätstheorie abschrecken lassen, würde ich bitten, für diesen Beitrag alle qualvollen Mathestunden aus der Schule hinter sich zu lassen und mit einem offenen Mindset an die Sache ranzugehen!

Ich bin mir nicht sicher, inwiefern der Begriff „Quantenphilosophie“ eindeutig definiert wurde, deshalb gehe ich hier einfach mal von meiner eigenen Idee aus und distanziere mich vorsichtshalber von anderen Konzepten, die bereits existieren.

Außerdem ist es wichtig sich im Kopf zu behalten, dass dieses Konzept eine Idee vorstellt, wie man theoretisch mit sehr unkonventionellen Perspektiven auf das eigene Dasein und/oder Leben rangehen könnte, wenn man die Quantentheorie als abstraktes Konzept betrachtet, losgelöst von den Präzessionen der Mathematik oder den physikalischen Grundgesetzen. Nichtsdestotrotz kann man eben aufgrund der besagten Präzessionen diese bereits existierenden wissenschaftlichen Theorien als grobes Konstrukt hernehmen, um sie dann, in einer flexibleren Form, auf angewandte Life-Skills zu projizieren.

1. Definitionen

Quantentheorie

Theorie über die mikrophysikalischen Erscheinungen, die das Auftreten von Quanten in diesem Bereich berücksichtigt[1].
In der Physik wird unter Quant (von lateinisch quantum ‚wie groß‘, ‚wie viel‘) ein Objekt verstanden, das durch einen Zustandswechsel in einem System mit diskreten Werten einer physikalischen Größe erzeugt wird[2].

Relativitätstheorie

(von A. Einstein begründete) Theorie, nach der Raum, Zeit und Masse vom Bewegungszustand eines Beobachters bzw. einer Beobachterin abhängig und deshalb relative (zwei) Größen sind[1].

Beobachter*in

Der Beobachter ist in der Physik derjenige, der ein Phänomen beobachtet. Es kann sich dabei um eine reale Person, um einen geeigneten Messapparat oder – in einem Gedankenexperiment – um eine gedachte Person handeln. Der Beobachter beschreibt das Phänomen in der Regel in seinem Ruhesystem. Ein Wechsel zu einem anderen Beobachter bedeutet daher im Allgemeinen auch den Wechsel zu einem anderen Bezugssystem und damit zu einer anderen Beschreibung desselben Phänomens[3].

Konsensrealität

Die lineare Zeit und Realität, wie wir sie kennen, welche im Konsens der Mehrheit als Wahrheit akzeptiert wird.

2. Maschaesque[4] Quantenphilosophie

Vorerst muss ich nochmal ausdrücklich erwähnen, dass es sich hier nicht um ein mathematisches Modell handelt, auch wenns davon inspiriert ist und soll nicht danach gewertet werden! Das ist lediglich ein Gedankenspiel, das meiner Langeweile entsprang, so wie eigentlich alles auf diesem Blog und leider bin ich keine qualifizierte Mathematikerin oder Physikerin, sondern nur eine Studentin mit zu viel Chaos im Kopf und Spaß an konzeptionellen Modellen.

Also, reduziert auf das, was relevant sein wird für den folgenden Inhalt, würde ich das Konzept des „quantenphilosophischen Lifestyles“ folgendermaßen zusammenfassen:

Ersetze man alltägliche Annahmen oder Vorurteile mit Wahrscheinlichkeiten, wobei jede Wahrscheinlichkeit, wie gering sie auch sein mag, als real akzeptiert wird (Real bedeutet, dass es im Quantenraum eine Wahrscheinlichkeit > 0 besitzt und somit nicht ausgeschlossen werden kann), entsteht im Umgang mit diversen Gegebenheiten des Lebens statt einer linearen „Meinung“, welche die Eigenschaften „richtig“ und „falsch“ trägt, ein Netz der Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Seins und Nicht-Seins.
Existenz wird zu Exystenz!
Man selbst wird simultan zum Beobachter UND Beobachteten, was bedeutet, dass nur das, was der Beobachter beobachtet, materialisiert und somit zu einer Wahrheit der Konsensrealität werden kann. Alles, was nicht beobachtet wurde, bleibt im Quantenzustand. Als gleichzeitig Beobachter und Beobachteter hat man die Kontrolle darüber, welche Materialisierungen stattfinden sollen.

3. Projektion auf das Real Life

Was soll das nun in einem angewandtem Szenario aussehen? Nun, dafür gibt es sehr viele Varianten und die Idee hinter diesem Konzept ist schließlich, dass das Konzept sich durchaus flexibel an alles mögliche anpassen kann, aber um Dinge ein bisschen mehr zu verdeutlichen, versuche ich mal ein Paar generalisierte Gedankenexperimente aufzuzeichnen, wie so eine Umsetzung von „Quantenphilosophischem Lifestyle“ möglicherweise aussehen könnte.

Lebenserfahrung(en), aus denen man lernt

Dass der Mensch anhand seiner Lebenserfahrung lernt ist ja erstmal soweit bekannt. Doch was zählt überhaupt als „Lebenserfahrung“? Nur dass, was man tatsächlich erlebt hat? Zählen auch Träume oder Gedanken?

Nun, ich stelle mal die Hypothese auf, dass es am Individuum liegt, für sich selbst zu definieren, was man seiner Lebenserfahrung anrechnen möchte. Daraus könnte man schließen, dass alles, was sich im Bewusstsein manifestieren kann, sogleich zum Teil der Lebenserfahrung wird. Jedes „Was-Wäre-Wenn“-Szenario, jeder Traum, der im Gedächtnis geblieben ist, jede Idee, die uns durch den Kopf schließt, usw.. Warum sollten diese Dinge denn auch nicht genauso miteinbezogen werden, wenn es ja unser Ziel ist, das Maximum an Lebenserfahrung aus uns rauszuholen? Zu jedem Ereignis, was wir „tatsächlich erlebt“ haben (also das, was sich in der Konsensrealität manifestiert hat), gibt es ein n-faches, wie wir es „nicht tatsächlich erlebt“ (also der Rest, der im Quantenzustand geblieben ist) haben, doch warum sollte uns das aufhalten, daraus nichtsdestotrotz unsere Schlussfolgerungen zu ziehen?

Z.B. Gibt es zu der eigenen Perspektive immer die Perspektive des Gegenübers, die des Zuschauers, die des imaginären Erzählers, etc., diese sind mit etwas Menschenkenntnis oft sehr einfach herauszufinden.

Neue Leute Kennenlernen

Wir alle haben schon mal gehört, dass jeder Mensch seine eigene Geschichte hat, mit komplexen Beziehungen, Gefühlen, Erinnerungen und Zukunftsplänen. Doch trotz dieses Wissens ist es die gängige Art des Menschen, sich seinen ersten Eindruck durch den Vorurteils-Filter zu machen. Basierend auf oberflächlichen Beobachtungen, wie die äußere Erscheinung oder dem Ort, an dem wir die neue Person kennengelernt haben.

Dieser Ansatz ist nicht unbedingt von Grund auf falsch, in bestimmten Settings hat er durchaus seine Berechtigung, z.B. im beruflichen Umfeld, wo das Verallgemeinern oft unumgänglich ist. Im privaten Kontext jedoch schafft diese Denkweise irgendwie oft eine Art Distanz zwischen den Leuten und resultiert immer wieder mal in verletzten Gefühlen und Missverständnissen.

Hier mal ein Beispiel aus meinem Leben: Da ich akzentfrei Deutsch spreche, nehmen fremde Leute immer an, ich sei Muttersprachler und sind jedes Mal aufs Neue überrascht, wenn ich erzähle, dass ich Migrations Hintergrund habe und Deutsch meine zweite Sprache ist. Isoliert betrachtet ist das zwar kein großes Ding und in den meisten Fällen ist das einfach eine lustige Anekdote beim Kennenlernen, jedoch hatte ich durchaus schon des öfteren das „Vergnügen“ gehabt, mir von Vornherein unterstellen zu lassen, ich hätte nicht das Recht, bei Themen wie Migration, Sprachbarriere, Rassismus, Diskriminierung, usw. mitzureden, aufgrund meiner angeblichen „Herkunftsprivilegien“, oder wie auch immer, da diesen Leuten erst gar nicht in den Sinn kam, mich zuerst zu fragen, da sie in ihrer Vorstellung diese Fakten bereits mit Vorurteilen gefüllt hatten. Was ein interessanter Dialog hätte werden können, blieb bei einer unangenehmen Begegnung.

Klar ist es meisten schneller und einfacher, vom angeblich Offensichtlichen auszugehen, wenn man Fremden zum ersten Mal gegenüber steht, doch wenn man stattdessen erstmal alle Wahrscheinlichkeiten in Betracht zieht und alles offen lässt, bis man was Konkretes vom Anderen bestätigt bekommt, hat man am Ende erstens ein viel akkurateres Bild und zweitens einen intimeren Einblick in die Persönlichkeit des Anderen bekommen.


[1]1 2 Definitionen von Oxford Languages
[2] Definition eines Quants
[3]Definition des Beobachters in der Physik
[4]Maschaesque = von Mascha (also von mir)

Kleiner Rant

Ein kleiner Rant für zwischendurch: Aufgrund einer kleinen Auseinandersetzung, in der ich mich momentan befinde, ist mir aufgefallen, dass ich einfach richtig gefickt bin, wenn ich in eine Diskussion reingezogen werde.

Wenn ich rational reagiere, wird mir vorgeworfen, ich sei offensiv und würde „immer weiter diskutieren“ und sei angreifend, reagiere ich jedoch emotional, wird gesagt, „so könne man mit mir eh nicht reden“, also habe ich schon verloren, wenn ich nicht jedem Einzelnen bereit bin, brav in den Arsch zu kriechen und immer schön höflich und zuvorkommend zu sein.

Selbst wenn meine Gefühle absolut nichts mit der Person zu tun haben, der Fakt, dass ich es gewagt habe, in deren Anwesenheit, oh Gott bewahre, nicht 100%ig auf sie einzugehen oder, Jesus Christus im Himmel, NEGATIVE GEFÜHLE GEZEIGT HABE….ja, dann ist es wohl meine instabile Psyche, die den ganzen „Konflikt“ verursacht hat lol

Ich geb’s auf ey…

Man Selbst, die Umwelt und die Anderen

Esum Modell

Ich habe dank der Inspiration vom Buch/Film „Das Parfüm“ darüber nachgedacht, was eine gute Lebensdynamik ausmacht und wie man eine solche für sich umsetzen könnte. Natürlich ist das nur mein persönlicher Ansatz und sollte auch als solcher verstanden werden. Es ist keine Lebensanleitung, obwohl sowas manchmal durchaus sehr nützlich sein könnte, sondern eher eine von vielen Arten, wie ich mich eventuell selbst in die Ordnung des Universums einordnen könnte.

1. Definition einer guten Dynamik

Eine Dynamik ist ja erstmal etwas, das in Bewegung ist, also Energiefluss. Eine gute Dynamik ist also ein Zustand, in dem die Energie stets in Bewegung bleiben kann, ohne zu stauen. Dabei ist entscheidend, dass sich der Fluss nicht im Kreis bewegt, sondern in einer Schleife.

Energie die im Kreis fließt, ist nicht für den Austausch geeignet, den wir ja im Optimalfall ansteuern wollen. Eine Schleife hingegen ist ein Energiefluss, der in alle Richtungen gelangen kann und somit dynamisch ist!

Diesen Energiefluss bezeichne ich ab hier als Energieschleife (E).

Kreis vs Schleife

2. Die drei Ausgangspositionen

Energiefluss Modell

Ich habe für mich selbst folgende drei Pole gewählt, die ich miteinander in Relation setzen möchte.

  • Die Beziehung zu sich selbst; Wie man denkt, fühlt, wahrnimmt, wie gut man mit sich selbst klar kommt, wie man sich selbst verwirklicht, etc.
  • Die Beziehung zur Umwelt; Die grundlegende Lebenslage, in der man sich befindet, wo man lebt, was man den ganzen Tag macht, materielle Sicherheit, etc.
  • Die Beziehung zu anderen Menschen; Freundschaften, Partnerschaften, Familie, Kollegen, Nachbarn, Menschen, die einen regelmäßig umgeben, direkt oder indirekt, Menschen, zu denen man immer wieder Kontakt hat, allgemein Gesellschaft um einen herum.

3. Die Zusammenhänge

Die Idee dahinter ist, dass es im Leben darum geht, in diesen drei Punkten eine gesunde Balance zu finden, da ansonsten die Möglichkeit besteht, in einen der Punkte zu viel Energie zu stecken, was dann zum Burnout führt.

Es = Energieschleife in einem selbst
Eu = Energieschleife der Umwelt
Em = Energieschleife in anderen Menschen
Esu = Energieschleife zwischen einem selbst und der Umwelt
Esm = Energieschleife zwischen einem selbst und anderen Menschen
Eus = Energieschleife zwischen der Umwelt und einem selbst
Eum = Energieschleife zwischen der Umwelt und anderen Menschen
Ems = Energieschleife zwischen anderen Menschen und einem selbst
Emu = Energieschleife zwischen anderen Menschen und der Umwelt

Man Selbst (s)Die Umwelt (u)Andere menschen (m)
SEs entsteht im Prozess, indem man den eigenen Flow im Kopf sicherstellt, was man durch Selbstreflexion in Angriff nimmtEsu ist die Art, wie man auf seine Umwelt eingeht, wie viel man davon wahrnimmt und wie sehr man damit räsoniert Esm ist die Attitüde, die man im Umgang mit anderen Leuten an den Tag legt und mit welcher Einstellung man an andere Leute zugeht
UEus sind die Umwelteinflüsse, die man nicht kontrollieren kann und wie man damit umgehtEu ist das Kreieren einer sicheren Umgebung, in der man sich ohne so stressfrei wie, möglich frei entfalten kannEum ist das Beobachten, wie die Umwelteinflüsse auf andere Menschen wirken und wie positiv/negativ der Vibe zwischen der Umwelt und den Menschen ist
MEms ist die Art, wie die Leute auf einen selbst zugehen und wie andere auf einen reagieren Emu ist die gängige Verhaltensweise der Menschen um einen herum und wie sie mit der gegebenen Umwelt umgehenEm ist ein stabiles, soziales Netz, welches sich erfüllend im zwischenmenschlichen Austausch anfühlt und frei von toxischen Beziehungen ist
Die Bedeutung der einzelnen Beziehungen untereinander

4. Fazit

Wenn alle diese Punkte in sich den perfekten Flow haben, sollte theoretisch auch das allgemeine Lebensgefühl richtig geil sein, jedoch wäre das natürlich nur eine Utopie, die höchstens auf dem Papier existieren kann.
Trotzdem macht es Sinn im Laufe seines Lebens immer wieder hier und da an den einzelnen Baustellen zu arbeiten, um sich Stück für Stück and diese „Utopie“ anzutasten und vielleicht Seiten des Lebens kennenlernen, die einem davor vorenthalten waren. Denn es geht schließlich darum, niemals damit aufzuhören, an sich selbst zu wachsen und bis zum Schluss nicht stagniert zu haben. So wäre immer ein Energiefluss da!

About feeling guilty

Today I’ve been thinking about feeling guilty being alive. Ever had that? I surely had…but why?

As I was researching my own neurodiversity and reflecting on my behaviors, which caused me so much conflict in the past, mostly because the way I express my thoughts and feelings often comes across as rude, „robotic“, offensive, etc. to other people, I found myself feeling a lot of guilt towards my loved ones, since my way of communicating caused a lot of arguments in the past and present. These days I’m aware of that, though. This led me to spiral down the self-guilt-trip about forcing myself into other peoples lives and make them experience these stupid kind of conflicts over and over again, which I unintentionally inflicted and in general just about being alive.

Yes, this is certainly some irrational, self-pity, „poor-me-mimimi“ kind of behavior, and not my actual conclusion, so excuse my whining…

Energie fließt in einer Schleife, die sich in der Mitte krümmt. Sie fließt, was heißt, sie ist in Bewegung. Wo Bewegung ist, entsteht ein Fluss. Fluss ist Leben.

IO LIBIDO

Io Libido! Aaayyy!

Spare me your phony
Vanilla sex testimony


Obviously, since it’s clearly society’s accountability 
To intervene in promiscuous teens sexuality
Leading to increase in abnormativity
Seems to appear as the reason, your libido seemingly ceases
To minus degrees


Simultaneously, during a fifteen or sixteen years period
People just couldn’t achieve even nearly
A reasonable speed in deliberate feedings of fear
Or insanity, yet you are here
Yet you are here

Yet you’re feeling, indeed
Simply out of the need
To believe in an reason
With deviant meanings
You see the hypocrisy?
It’s not that deep
Since you’re being unreasonable
Secretly breeding your brain in your wiener
And seeking intimacy facing a screen


By the prime time your seed
Will become obsolete

Abrakadabra?

Ich bin gerade dabei, ein Experiment zu starten, bei dem ich die berühmte Formel Abrahadabra (Ja, mit H) umstrukturiere.

Dabei habe ich verschiedene Schreibweisen für das Wort in Hiragana (Japanisches Silbenalphabet) ausprobiert, bis ich eine Schreibweise hatte, die Sinn gemacht hat. Außerdem hat mir DeepL bei der richtigen Schreibweise den Satz übersetzt mit „Das war’s! Das ist es!“ (Siehe Bild).

Das ist der Satz in Hiragana:

ぁあばらっはだば

a A BA RA KHA DA BA

Stellt sich heraus, ich habe ein Easter Egg gefunden!

Notiz:

Später den Fließtext als Audiofrequenz in Garage Band abspielen!

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